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Frantisek Bosak: „Germanizacni uloha nemeckych skol na Ceskebudejovice za okupace“
„Germanisierung als Aufgabe deutscher Schulen in Böhmisch Budweis während der Besetzung“
Anmerkungen in eckigen Klammern [ ] und die Fußnoten stammen vom Übersetzer !
Den Plan für die Liquidierung der tschechischen Nation faßten die deutschen Faschisten bereits vor dem 2. Weltkrieg. Die Grundsätze der Germanisierung unserer Länder sind belegt im Aktionsprogramm der Henlein-Partei im Jahr 1938 (Grundplanung O.A.) Es ist vor allem die Unterdrückung der tschechischen Sprache, die Verbreitung des Deutschen, die Schwächung des tschechischen Volkes durch Auswanderung und Zerstreuung und die Förderung der Umstellung der tschechischen Bevölkerung auf die deutsche Staatsangehörigkeit. Die schnöde Kapitulation der tschechischen Bourgeoisie[i] ermöglichte den Faschisten den Versuch dieses verbrecherische Vorhaben zu realisieren. Aufgrund der Schlacht gegen Frankreich geriet das Vorhaben ins Wanken und Hitler bewilligte im September 1940 das französische Memorandum zur tschechischen Frage und entschied die Weisung, daß das tschechische Problem hauptsächlich durch Assimilation gelöst werden sollte. Es gab nämlich nicht eine Fülle von Deutschen zur Kolonisation des entvölkerten tschechischen Landes und zur Disposition war nicht irgendein Platz wohin man die Tschechen hätte aussiedeln können und es war keine wirtschaftliche Entspannung zum Ersatz von 7 Mio. Arbeitskräften. Deshalb wurde entschieden, daß Tschechen die bestimmte „rassische“ Bedingungen erfüllten, germanisiert werden sollten. Andere rassisch nicht ausreichende Elemente oder solche, die sich der Germanisierung widersetzten sollten ausgesiedelt oder ausgerottet werden (Sonderbehandlung). Während des Krieges kam neben den wirtschaftlichen Gründen noch das Festhalten am Frieden im Land hinzu. Den Plan der Germanisierung erledigte das RuS (Rasse und Siedlungsamt) in Mitwirkung des Bodenamtes, das den Boden für deutsche Kolonisten sicher stellt. Die folgenden allgemeinen Richtlinien leiteten sie zur Realisierung schon während des Krieges ein. Ich versuche konkret zu zeigen, welche Rolle in diesem Plan das deutsche Schulwesen im Protektorat hatte.
Der Kampf der Sudetendeutschen gegen die Vor-Münchner Tschechoslowakei wurde geführt unter der Fahne der Rechte des Volkes auf Selbstbestimmung. Wie einseitig die Faschisten diese Rechte auslegten haben sie bewiesen abseits anderer Dinge in dem Verhältnis zu tschechischen Schulen im Gebiet meiner Forschungen. Für die Deutschen war es schlechtweg undenkbar, daß tschechische Mittelschulen in ihrem Gebiet bestanden. Mehr als 180.000 tschechische Kinder waren befreit von unseren Volksschulen.
Das Schicksal dieser Kinder war traurig. Sicher war da Neid auf tschechische Kionder im Protektorat, die die Nazi-unterdrückung im Volkskollektiv erduldeten. Ich wollte auch hinweisen auf eine dritte Gruppe tschechischer Kinder, die sich in einer Situation befanden, die ihre Psyche geradezu katastrophal beeinflussen mußte.
In dieser tragischen Zeit, wo abertausende Patrioten auf dem Schafott starben und zehntausende in Konzentrationslagern, gab es es freilich auch die Erfassung und die Sorge um zehntausende tschechischer Kinder im Protektorat Böhmen und Mähren, die mit einer Ekstase der Gewalt von unserem Heimkollektiv [entrissen] und mit Gewalt auf deutsche Schulen geschickt wurden. Dort lernten sie eine Kauderwelsch-Sprache, wurden bestraft für jedes tschechische Wort, als Dank dafür, daß sie beehrt wurden dem deutschen Volk anzugehören. Die neuen Schulkameraden in den deutschen Schulen spotteten über ihr deutsches Gestammel und alte Freunde betrachteten sie als Verräter und mißachteten sie. Ich erinnere mich, wie die tschechischen Kinder damals alle diese kleinen Überdeutschen haßten und wie sie ihre Verachtung zeigten. Und inzwischen nebenan Kollaborateure waren für deutsche Schulen und Eltern, deren alleiniger Verstoß war, daß irgendeiner ihrer Großväter einen deutschen Namen hatte. Es kam dann auch dazu, daß die Eltern ihren Kindern nicht trauen konnten. Ja, es gab oft den Fall daß sie „nur“ Protektoratsangehörige waren und ihre Kinder jedoch die deutsche Staatsangehörigkeit hatten. Über den Eltern erhob sich das Gespenst des Schülerwohnheims, ihnen drohten die Lehrer. Das sollten die günstigen Mittel sein für die Erziehung junger deutscher Übermenschen.
Die Rechtlosigkeit welche die Faschisten verübten gegen tschechische Kinder waren sicher nur ein Staubkorn gegen den ganzen Kummer der Naziverbrechen jedoch nicht ein Nichts für ihre Widerlichkeit.
In meiner Praxis[studie] versuche ich manche Fragen des deutschen Schulwesens in Südböhmen zu erläutern, bzw. eher in dessen Zentrum Böhmisch-Budweis. Die Erforschung der Region, die Begrenzung und die Begründung kommen in den nachfolgenden Kapiteln.
Restriktiv beschränkt sich dies auf die deutschen Allgemein- und Hauptschulen, die für die Germanisierung am wichtigsten waren. Nicht befaßt sind problematisch die deutschen Mittelschulen, die ideologischen Vollschulen und die sozialen Mischschulen. (Wieweit sich das Nazitum für Budweis als Übel bloß zählen [läßt] und vieles wird ausgenommen. Die Beispiele des Ekels gegen die Einordnung [der Kinder] in deutsche Schulen habe ich mit Absicht für verschiedene gesellschaftliche Schichten gewählt[ii]: Forstarbeiter, Bauer, Angestellter und Grundbesitzer. Nicht geschildert wurden die materiellen Begünstigungen deutscher Schulen, Lehrer und Schüler. Ich will auch nicht die persönlichen und politischen Profile deutscher Lehrer auswerten.
[es folgt eine Auflistung von Aufsätzen und Büchern die sich irgendwie mit dem gleichen Thema beschäftigt haben und den Fundort damals im Archiv Budweis, Bestand: „Nemecky Okresni Skolny Inspektor, abgekürzt NOSI“. Auf eine Übersetzung wurde deshalb hier verzichtet, auch aus Zeitgründen. Es geht weiter mit Punkt Römisch Eins]
I Die deutsche Volksgruppe bei Budweis
In dem Gebiet, das wegen dem Münchner Diktat an Deutschland abgetreten wurde lebten (gleichfalls Teschen, die über die Schlacht gegen Polen zu Deutschland gleichfalls kamen) im Jahr 1930 973.397 Tschechen.
Im Protektorat blieben in Böhmen 99.256 Deutsche (2,24 % der gesamten Bevölkerung) in Mähren 135.542 (5,89 % der Bevölkerung). Darin inbegriffen sind auch 19.227 Juden, die sich zur deutschen Nationalität gemeldet hatten.
Außerdem lebten deutsche Bewohner in einigen großen Städten (Prag, Brünn) in einigen Sprachinseln. Für Böhmen übergirff es in Richtung Havlickovu Brodu in der Region Südböhmen. In Südböhmen lebten Deutsche in Budweis und Umgebung in einem Umkreis von ca. 5 km um die Stadt.
Obwohl die Budweiser Deutschen in der Österreichisch-Ungarischen Monarchie nach Kräften bevorzugt wurden, erschlafften sie schon damals fortlaufend in Folge ihrer Isolierung inmitten tschechischen Gebietes. Obwohl die Bewohner in deutschen Dörfern (dieser Begriff kann zum Nachteil der Tschechen genutzt werden) ihre Sprache bis zum 1. Weltkrieg in Budweis vorzüglich stauten, wuchs die Anzahl der tschechischen Bevölkerung unverhältnismäßig schnell.[iii] In Budweis im Jahr 1880 war die Anzahl von Tschechen und Deutschen ungefähr gleich. (Tschechen 11.812; Deutsche: 11.829) und ist gestiegen bis 1910 bei Deutschen auf 16.903 aber die tschechischen Bewohner waren damals schon bei 27.903. In der Geschichte von Budweis wurden im allgemeinen mehr Deutsche gezählt. Danach ist die Anzahl der Deutschen stark abgefallen, so daß das Unwesen nicht einmal ein Fünftel der Stadtbewohner erreichte.
Obwohl wir keine Statistik präsent haben für den 15.03.1939 kann man die Annahme treffen, daß sich das Verhältnis der Völker in Budweis noch leicht zum Nachteil der Deutschen verändert hat.
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Gemeinde tschechischer Name
|
Gemeinde deutscher Name
|
Deutsche, Anzahl
|
Tschechen, Anzahl
|
|
Ceske Budejovice
|
Böhmisch Budweis
|
6.681
|
36.252
|
|
Hodejovice
|
Hodowitz
|
401
|
731
|
|
Roznov
|
Strodenitz
|
378
|
1.931
|
|
Rudolfov
|
Rudolfstadt
|
313
|
1.175
|
|
Mlade
|
Lodus
|
269
|
1.324
|
|
Suche Vrbne
|
Dürrnfellern
|
265
|
4.052
|
|
Vrato
|
Brod
|
232
|
862
|
|
Ctyri Dvory
|
Vierhöf
|
172
|
3.700
|
|
Homole
|
Hummeln
|
162
|
390
|
|
Litvinovice
|
Leitwonitz
|
150
|
187
|
|
Sindlovy Dvory
|
Schindelhöf
|
120
|
203
|
|
Hlinsko
|
Hlinz
|
116
|
330
|
|
Dobra Voda
|
Gutwasser
|
97
|
863
|
|
Haklovy Dvory
|
Hackelhöf
|
91
|
177
|
|
Plana
|
Plan
|
90
|
189
|
|
Pohurka
|
|
78
|
316
|
|
Roudne
|
Ruden
|
78
|
216
|
|
Mokre
|
Gauendorf
|
62
|
173
|
|
Dubicne
|
Dubiken
|
44
|
189
|
|
Ceske Vrbne
|
Böhmisch Fellern
|
35
|
225
|
|
Knezske Dvory
|
Pfaffenhöf
|
31
|
899
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[Es folgen Erläuterungen zum Grenzverlauf, auf deren Übersetzung wurde aus Zeitgründen verzichtet]
II Schaffung neuer deutscher Schulen
Bei der Schaffung des Protektorats Böhmen und Mähren gab es in Südböhmen folgende deutsche Schulen. Budweis: gemischte allgemeine Schule mit 5 Klassen, Knabenbürgerschule mit 4 Jahrgängen, Mädchenbürgerschule mit 3 Jahrgängen
In diesen Schulen waren 447 Schüler in 12 Klassen. In dichter Nähe zur Stadt waren 6 einklassige Schulen: Gutwasser, Hackelhöf, Hodowitz, Hummeln, Rudolfstadt, Schindelhöf und eine 2klassige Schule in Strodenitz. Sie haben besessen 225 Schüler. Für Wittingau an der Protektoratsgrenze war eine 1klassige deutsche Schule mit 28 Schülern in Suchental. Dies waren Minderheitsschulen in Prager Verwaltung. Am 15.03.1939 waren also im Protektoratsgebiet Südböhmen in allgemein- und Bürgerschulen:
In Budweis: 447 Schüler
Außerhalb von Budweis: 253 Schüler
Zusammen: 700 deutsche Schüler
In 11 Schulen und 21 Klassen.
Budweis war außerdem Zentrum deutscher Mittelschulen, diese waren vom Grenzgebiet getrennt. Im November 1938 kam als Exempel für die Lehrergruppe die deutsche Lehreranstalt und Übungsschule freiwillig nach Prachatitz und nach Krummau.
Aufgrund der Ferien im Jahr 1939 wurde die Lehreranstalt allerdings wieder aufgenommen und in diesem Jahr war die Propoganda sehr geschäftig weil sich in der 1. Klasse 20 neue Schüler angemeldet hatten.
Der letzte Akt in diesem Umstand war die Anzeige des deutschen Schulinspektors [ Franz Oppelt] vom 4. Mai 1945, kurz vor der Revolution, daß es nicht gelang für die deutsche Lehreranstalt irgendeinen Schüler zu erhalten.
Neben der Lehreranstalt war in Budweis das deutsche Realgymnasium (ab 1939 Deutsche Oberschule), die deutsche Handelsschule mit weiterführender Schule, die Handelsakademie, die städt. Landwirtschaftsschule, die städt. Familienschule [Hauswirtschaftsschule?], die staatl. Ingenieurschule und die deutsche Forstschule.
Diese Schulen wurden im allgemeinem im Protektorat gepflegt, auch wenn es im Detail zu Änderungen kam. Eine Liste aus dem Jahr 1944 belegt den Schulumfang:
I Deutsche Oberschule
II Höhere Wirtschaftsschule
Wirtschaftsschule
Hohe Industrieschule
Musikschule
Weiterführende Schule
III Landwirtschaftl. Lehranstalt Vierhöf
Landwirtschaftl. weiterführende Schule Duben
Landwirtschaftl. weiterführende Schule Krems
Der erste Auftrag, den die Nazis in Südböhmen beschlossen haben war:
1) Stiftung deutscher Schulen in jeder Stadt und gegebenfalls in jedem größeren tschechischen Dorf bei Budweis
2) Stärkung der Schulen in sprachlich gemischten Gebieten und verbreitern mit weiteren Dörfern.
3) Abseits Budweis deutsche Schulen mindestens in den Umkreis der Stadt legen
Am 13.06.1939 meldete der Oberlandrat in Budweis dem deutschen Schulinspektor Oppelt, daß die Behandlung der Frage der Schaffung deutscher Schulen am 15.06.1939 an den „Herrn Referent für Schulen beim Reichsprotektor in Prag“ kommt.Den Deutschen ist es gelungen den genannten Plan zu erfüllen bis auf einige Kleinigkeiten in den Jahren 1939 und 1940.
Ausgenommen das Hauptproblem, wie man die neu gegründeten Schulen mit Schülern füllt, was vorzugsweise gelöst werden muß.
1) Frage des formellen Vorgangs bei neugegründeten Schulen
2) Woher erhält man die erforderlichen Lehrer?
Wie man im Fall der neugegründeten Schulen vorging, erteilt Auskunft der deutsche Schulinspektor in einem Schreiben des Deutschen Kulturverbands am 27.06.1939.
Der Kurzinhalt des Briefes ist dieser:
„Frage der Administration der deutschen Schulen ist noch in Klärung wie wir durchsetzen bei bestehenden alten staatlichen Stellen die Erfordernisse bezüglich der neuerrichteten deutschen Schulen.“ Neue deutsche Schulen richtet ein und hält instand der Deutsche Kulturverband und wird dies kundtun wie eine vollendete Tatsache der Landesschulrat.
Der Antrag für Schulen konnte fertiggemacht, aber vorerst noch nicht an das Protektoratsamt weitergeleitet werden. Diese Instruktion bestätigt insofern die Ansicht, daß aufgrund des Kriegsausbruches die deutsche Diplomatie mit den Westmächten rechnete, und daß die tschechische Frage zur Sprache kommen könnte im Falle eines Kompromißabkommens mit dem Westen. Für die 2. Partei offenbart es sich, daß die Deutschen sich bewußt geworden sind, daß infolge der Schaffung von Schulen mit dieser faktisch geringen Anzahl deutscher Schüler keine gesetzliche Grundlage existiert.
Die Instruktion, daß der deutsche Kulturverband fähig ist deutsche Schulen zu eröffnen und zu unterhalten, wurde direkt vom Reichsprotektor gegeben.
Die Situation ist geklärt mit Ausbruch des Krieges und das Schulministerium übernimmt, bzw. gründet direkt alle neuen deutschen Schulen und übernimmt die Verpflichtung geeignete [Mittel?] zu stellen, wenn auch zum Nachteil tschechischer Schulen.
Die Deutschen genossen die Vorschrift zu Gunsten eines Geschwätzes über Minderheitsschulen im Sinne des Gesetzes vom 03.04.1919, Nr. 89 im Text des Gesetzes Nr. 295/1920. Die Bedingung zur Schaffung [von Schulen] wurde vorteilhaft, weitere Klassen konnte das Ministerium bewilligen falls es die Zustände und die Größe des Schulraumes an den Orten verlangten. Für öffentliche Schulen galt der Grundsatz, daß 2 Klassen mit 46 Schülern errichtet werden müssen, 3 Klassen im Falle von mindestens 91 Schülern. Dieses Prinzip lohnt sich auf dem Papier für deutsche Schulen bis zum Ende des Krieges. In Wirklichkeit werden Parallelklassen für deutsche Schulen eingerichtet aufgrund einer Zuschrift des deutschen Schulinspektors „wenn es auch gemäß Gesetz nicht notwendig gewesen ist.“
In Diskrepanz zu den deutschen Schulen galt für tschechische Schulen für die Anzahl [Schüler] in den Schuljahren 1941-1942 die strenge Regel, daß eine 2. Klasse gegründet werden kann mit 51 Schülern, eine 3. Klasse jedoch erst bei mehr als 120 Schülern. Die Anzahl der Schüler für die Klassen war lt. Satzung beziffert mit 60. Dies galt auch für tschechische Minderheitsschulen. Im Umfang des Erlasses ist auch geregelt, daß tschechische 1. Klassen in Gemeindeschulen mit weniger als 20 Schülern in Gemeinden mit einer Mehrheit deutscher Einwohner abgeschafft werden müssen. Für Budweis gab es keine solche Fälle, die Einstellung tschechischer Schulen wurde gestört.
Abschließend zur Frage der Organisation der deutschen Schulen ist es möglich zu sagen, daß die gesamten deutschen Schulen als sogenannte „staatliche“ Schulen gegründet wurden. Weil es jedoch die ausdrückliche Anweisung gab, daß im Protektorat der Begriff „staatlich“ nicht verwendet werden darf und der Begriff „Protektorat“ für die deutschen Schulen nicht annehmbar war, wurden die Schulen als „Ministeriell verwaltet (gemäß Gesetz § 2 292/20)“ bezeichnet. Die Lehrer der alten deutschen „öffentlichen“ Schulen benötigten im Jahr 1940 die Änderung der Schule auf „Ministeriell verwaltet“. Gelungen ist dies nur in Hodowitz. Die deutsche öffentliche Schule in Schindelhöf erfuhr vom Reichsprotektor eine Ablehnung, daß „ derzeit grundsätzliche Bedenken vorhanden sind und sie deshalb nicht staatlich werden kann.“
Da die Anfragen nicht endeten, wurde mit einem Rundschreiben klargestellt, daß: „die Frage der Unterhaltung deutscher Schulen im Protektorat Böhmen und Mähren prinzipiell erst nach Ende des Krieges geklärt werden kann.“ Überlegungen zu solchen Fragen sind „im Krieg unwichtig und unmaßgeblich.“
Nach dem Material ist offenkundig, daß die Schaffung deutscher Schulen den Ämtern keine Beschwerden bereitete. Der Schulinspektor hat vorgeschlagen, der Oberlandrat hat befohlen und das Ministerium hat alles bewilligt.
Die wirkliche Bremse für die Schaffung deutscher Schulen war der Mangel an Lehrern. Der deutsche Kulturverband schreibt: „Die Frage der Besorgung von Lehrern wird auf Ungemach stoßen, weil wir - leider - zur Disposition keine geeigneten Lehrer haben. Wir sind inzwischen in Korrespondenz eingetreten mit unserem Parteimitglied Dr. Eichholz vom Schulrat Reichsstatthalter Sudetengau. Wir wissen jedoch nicht, inwieweit wir Erfolg haben werden. Wir empfehlen Ihnen deshalb, daß Sie sich in seinem Bereich umschauen nach geeigneten Lehrkräften.“
Der deutsche Schulinspektor ist nicht bescheiden und verlangt sofort 20 neue Lehrer, unter ihnen etliche Fachlehrer für neue Bürger, welche gegründet werden soll in Neuhaus, dicht mit vier 3. Klassen. (Für deutsche Besitznahmen in der Umgebung, die einen Beitrag zur Germanisierung der Stadt haben)
Der Reichsprotektor (Gruppe für Unterricht und Kultus XIV/280) verkündet am 12.06.1939, daß für das Protektoratsgebiet nur 2 neue männliche Lehrkräfte [nach ihrer] Abschlußprüfung der Lehranstalten in Brünn und der Akademie in Prag zur Verfügung stehen. Deshalb ergeht folgende Richtlinie: Stopp der Pensionierungen, Reaktivierung pensionierter Lehrer und die Gewinnung von Lehrkräften die aus dem Sudetengau kommen sollen. Der Schulinspektor will hemmungslos Lehrer aus diesem Gebiet. Er fordert 29 Stück.
Die Situation wird kompliziert durch den Krieg, der stark Lehrkräfte absaugt. Notwendig ist es zu erwähnen, daß die Wehrmacht sehr großzügig bereits erfaßte Lehrer für die Germanisierung Südböhmens vom Militärdienst befreite. Die Anträge des Schulinspektors von September bis Dezember 1939 zur Freigabe von Lehrern entlarvten den Germanisierungscharakter deutscher Schulen.
Ich suchte Anträge heraus, welche die verschiedenen Bedingungen der Schulen charakterisieren. […] „Die Einberufung des [Herrn] Wittner würde spürbare Nachteile für die deutsche Schule in Hummeln haben und auch für die weitere organisatorische Erhaltung der Bewohner. Diese waren schon vorher Deutsch, in den letzten 20 Jahren gab es jedoch eine starke Zuwanderung nach Hummeln. Die deutsche Schule in diesem Ort wurde nach verschiedenen Problemen in den letzten Monaten auf 2 Klassen mit 50 Kindern erweitert. Die Mehrheit [der Kinder] beherrscht die deutsche Sprache nur unzulänglich und benötigt deshalb einen ordentlichen Unterricht“.
Vierhöf, heute ein Vorort von Budweis, ist ein Ort, an dem die Deutschen ihre Schule erst zu verankern beabsichtigen. „Er geht demnächst in diesem Fall in die deutsche Hauptschule und lebt dann an dieser Stelle, die einst rein Deutsch war“. (Notiz: siehe Anhang I, wo die Statistik beweist, daß schon in Österreich im Jahre 1900 die Tschechen sich dort verfünffacht hatten und im Jahr 1910 sogar zehnfach überlegen waren)[iv]. „In diesem Ort konnte trotz wiederholter Anstrengungen keine deutsche Schule gegründet werden, nicht im alten Österreich und nicht im Verlauf der letzten 20 Jahre. Die Schule in Vierhöf hat deshalb eine Tragweite für die ganze nationale Politik und es ist vor allem notwendig für diese Schule einen tüchtigen Lehrer einzusetzen. Obwohl die Schule vor mehr als 4 Wochen vom Prager Schulministerium erlaubt wurde, konnte sie bis heute wegen Mangel an geeigneten Lehrkräften nicht geöffnet werden. Damit entsteht für die Entfaltung der deutschen Elemente in Vierhöf ein empfindlicher Schaden.“
Dicht an der Grenze lag Berlau. Der Inspektor schreibt: „Dieser Ort liegt dicht an der Protektoratsgrenze und ist zu 90 % tschechisch. Die deutsche Schule in Berlau erfüllt damit auch eine volkspolitische Rolle.“
Eine ganz andere Situation hatte die deutsche Schule in Schwarzbach bei Suchental. Dieser Ort kam zu unserem Gebiet nämlich erst nach dem 1. Weltkrieg. Die Bewohner waren Tschechen aber die ältere Generation hatte das deutsche Schulwesen durchlaufen, weshalb die Verdeutschung als leicht erschien. Der Inspektor schreibt: „Die frühere 3klassige deutsche Schule in Schwarzbach war im Jahr 1920 durch den Schulrat gesperrt worden und 19 Jahre lang waren die deutschen Kinder in Schwarzbach gezwungen die tschechische Schule zu besuchen. Mit großer Anstrengung gelang es im Juni diesen Jahres [1939] die deutsche Schule wieder zu öffnen mit vorläufig einer Klasse.“
Die unterdrückten deutschen Kinder achteten die neue Schule jedoch möglicherweise gering. Die Schule begann im Jahr 1939 mit 41 Schülern, 1940 schon nur 33 Schüler, 1941 waren es 23 Schüler und im Jahr 1942 ging der Rest über auf die Schule in Suchental.
Schließlich noch das Pensum der Reichslehrer in der tschechischen Stadt Schweinitz an der Grenze südöstlich von Budweis. Heinrich Sobieschek, einberufen zum Wehrdienst im Dezember 1939, ist ein charakteristischer Fall: „Er ist offen gesagt unentbehrlich für die Schule in Schweinitz. Seine Einberufung zum Militärdienst könnte den Wiederaufbau des Streudeutschtums in Schweinitz unmöglich machen. Er ist Ortsgruppenleiter der NSDAP und die Seele der deutschen Elemente in Schweinitz. Mit maximaler Anstrengung war es möglich, die erste deutsche Schule in Schweinitz zu eröffnen und gleichfalls auch einen Kindergarten. Schweinitz war früher die Fäulniszitadelle im Kampf gegen alle Deutschen in Südböhmen. 30 Kinder, die mehrheitlich ihre Muttersprache nur ungenügend beherrschen, wären frei vom Unterricht. Es ist keine Übertreibung und nicht sehr hart für die geltenden Verhältnisse zu sagen, daß Sobiescheck in Schweinitz für die Schule und die Partei unabkömmlich ist.“
Wie verdient Schweinitz nur diese empörenden Worte? Das erklärt ein Schreiben des deutschen Schulinspektors an den deutschen Kulturverband in Prag am 3. August 1939: „Betreffend die deutsche Schule in Schweinitz ist ihre Eröffnung bisher noch nicht sichergestellt. Durch die Werbung aus dem Lager des Gegners ist es geglückt, daß die deutschen Kinder ihre Anmeldung für die Schule zum größten Teil wieder zurückgezogen haben.“
Wie war das Resultat der gemischten Aktionen?
1) Budweiser Schulen wurden verstärkt durch zweite Klassen und im Jahr 1942 durch eine dritte Hauptschule.
2) In der nahen Umgebung von Budweis entstanden Schulen die das gemischte Sprachgebiet ausweiteten: Vierhöf, Böhmisch-Fellern, Pfaffenhöf, Borsov und Lodus. In Ruden wurde eine Expositur gegründet und später wurde daraus eine selbstständige Schule.
3) Südlich von Budweis entstanden deutsche Schulen in Krems, Welleschin, Schweinitz, später in Rajau, Jilovicich und Ellexnitz. Im Westen waren Schulen in Duben, Berlau, Elhenitz, Netolitz, Nebahau und Vodunech. Im Norden: Frauenberg, Moldauthein, Wesseli. Im Osten: Lisov, Ledenice, Wittingau, Suchental und Schwarzbach.
Die letzten deutschen Schulen wurden gegründet in Holubau und Krems, in Sobnov bei Kaplitz und in Nove Vsi bei Berlau. Im Jahr 1944 und 1945 wurde das Netz der Schulen nicht mehr erweitert.
Es waren insgesamt allgemeine Schulen, mehrheitlich einklassig. In Wittingau wurde 1942 schrittweise eine Hauptschule errichtet.
Weitere vorgesehene Schulen konnten nicht mehr errichtet werden in Besednice, Zlate Korune, Steinkirchen und in Strazi nad Nezarkou.
III Anzahl Schüler in deutschen Schulen
Grundlegende Bedingung für die Gründung und Aufrechterhaltung der Schulen war die Festlegung der, wenn auch geringfügigen, Anzahl der Schüler. Die Sicherung der Schüler für deutsche Schulen war vorrangige Verpflichtung für die deutschen Lehrer. Es war die Sorge des Schulinspektors, des Oberlandrates, des Reichsprotektors und der Parteiorganisation. Das Aneinanderfügen der gesamten Statistiken für die Anzahl der Schüler während der Zeit des Protektorates ist eine sehr schwere Aufgabe. Der Umfang der Zuständigkeit der deutschen Schulinspektoren hat ununterbrochen gewechselt. Schon am Anfang des Jahres 1940 gab es in Böhmen nur 2 deutsche Inspektoren, die unter sich die allgemeinen und Bürgerschulen hatten, nämlich in Prag und Budweis. In Budweis berührten sich die Zuständigkeiten bis zu Benesov bei Prag und Pribrani, bei Budweis setzt man Schulen in Pilsen, Taus, Susici und Klatowech. Erst der Erlaß MSK Nr. 129.237/40-I-3 vom 15.03.1940 errichtet deutsche Schulinspektoren in Pilsen, Hradci Kralove, schließlich auch in Vodnanech. Ausgegliedert war Jindrichov Hradce, wo deutsche Bürger so stark gewachsen waren, daß sie sofort im 1. Jahr 12 neue Klassen errichteten. Es wurde andernorts erwähnt. Aber die Anzahl der Schüler wechselte auch im Verlauf der Jahre in einzelnen Schulen, da der Übertritt auf tschechische Schulen anfangs zaghaft am Beginn des Schuljahrs erfolgen mußte. Ich versuchte die Statistik für jede Schule im Protektorat zusammenzufügen.
Die Deutschen interessierten sich für das zahlenmäßige Verhältnis tschechischer zu deutschen Kindern. Deshalb stellte der deutsche Schulinspektor [Franz Oppelt] für die Gemeinde- und Bürgerschulen im Umkreis von Budweis, Moldauthein, Neuhaus und Wittingau die Zahlen fest. Es waren 24.593 Schüler in tschechischen Schulen. Schüler in deutschen Schulen sind in dem selben Zeitraum (Dezember 1939) 2.100 genannt. (1.118 Jungen und 982 Mädchen) Tschechische Schüler waren mehr als zehnmal so viele. Freilich stimmt die Anzahl von 2.100 nicht mit der Wirklichkeit überein. Wie der deutsche Inspektor zu dieser Anzahl gelangte, erklärt uns eine Liste deutscher Schulen, datiert 1 Monat später.
Maßgebend ist die Summe der aktiven Schüler von 2.081, welche der Inspektor auf 2.100 pauschal erhöhte. Im Verzeichnis sind ebenfalls Schüler erwähnt, die nicht zu seinem Prüfbezirk gehörten, z.B. Schulen in Pisku und Tabor. Weiter sind dort Schüler für Schulen eingerechnet, deren Eröffnung geplant, von denen einige aber nicht realisiert werden konnten (Besednice, Zlata Koruna, Kameny Ujezd, Straz nad Nezarkou) Die Anzahl der Schüler in diesen Schulen war mit 123 angegeben.
Nach der Recherche der Entwicklung der Anzahl Schüler in deutschen Schulen ist es möglich folgende Tabelle zu erstellen:
Anzahl Schüler:
|
Alte Schulen
|
|
|
|
neue Schulen
|
Summe
|
|
Jahr
|
Budweis
|
Umgebung
|
Summe
|
|
|
|
1938
|
471
|
190
|
661
|
0
|
661
|
|
1939
|
725
|
317
|
1.042
|
0
|
1.042
|
|
1940
|
829
|
320
|
1.149
|
595
|
1.744
|
|
1941
|
932
|
327
|
1.259
|
690
|
1.949
|
|
1942
|
1.001
|
351
|
1.352
|
812
|
2.164
|
|
1943
|
936
|
391
|
1.327
|
988
|
2.315
|
|
1944
|
964
|
382
|
1.346
|
987
|
2.333
|
Der Stand der Schüler ist festgehalten für den 1. Oktober ( im Jahr 1938 am 31.12.). Exklusive der deutschen Schule in Vodnanech, da dort eine fortlaufende Datenreihe fehlt.
Wir stehen vor der Frage, wie es den Deutschen gelang, die Anzahl der Schüler in den alten Schulen zu verdoppeln. Die 2. Frage ist, wie in tschechischen Dörfern kurzfristig 988 Schüler in deutschen Schulen auftauchen.
In einzelnen Fällen ist eine Antwort auf die Frage möglich. Dies ist der Fall in dem Ort Berlau, knapp an der Protektoratsgrenze gelegen, der sogar nach dem Zeugnis des Schulinspektors (früher genannt) „zu 90 % tschechisch ist“. Vor der Loslösung des Grenzgebietes gab es in Berlau 7 deutsche Schulkinder.
Man konnte rekonstruieren, daß für die deutsche Schule aus tschechischen Dörfern in den von Deutschen besetzten Siedlungen (Kovarov, Ryhtarov, Rohy usw) [Kinder kamen]. Dies waren nicht wenige. Im Jahr 1941 tönt der deutsche Inspektor, daß 50 Kinder (26 Jungen und 24 Mädchen) täglich aus dem Reich [Sudetengau] auf die Schule im Protektorat gehen. Deutsche Elemente im tschechischen Gebiet müssen ertüchtigt werden.
Für 5 Kinder in Lisov wurde eine eigenständige deutsche Schule eingerichtet, für 50 Schüler in diesem Gebiet war eine Gründung jedoch nicht möglich.
Ich habe ein Dokument, daß die Landesämter in Kaplitz und Krummau gleichzeitig aufgefordert wurden, damit den Schülern in ihrem Gebiet keine Last auferlegt werden sollte, sie Schulen im Protektorat besuchen sollten. Die Einschulung wurde nicht nur zugelassen, sondern energisch befürwortet.
Zu dem Fall der Gemeinde Berlau gibt es ein klares Beispiel, wie die Nazis das Recht auf Unterricht in der Heimatsprache allein für sich selbst auslegten. Der Leiter der tschechischen Schule in Berlau erfuhr, daß in den nächsten Tagen eine deutsche Schule in Berlau eröffnet wird und diese auch von Kindern aus Siedlungen im Reich besucht werden soll. Er fragt den tschechischen Schulinspektor, ob 9 tschechische Kinder aus Bauernhäusern im Reichsgebiet die früher die Schule in Berlau besuchten und jetzt aber gezwungen sind, die deutsche Schule in Jaronine zu besuchen, wieder über die Grenze die tschechische Schule in Berlau besuchen können.
Die Situation im September sah nämlich so aus, daß deutsche Kinder aus tschechischen Bauernhäusern und aus [dem Dorf] Siebenhäusern die deutsche Schule im Protektorat besuchten, die tschechischen Kinder mußten nach Jaronine im beschlagnahmten Gebiet. Selbstverständlich hat der Oberlandrat dem anmaßenden tschechischen Vorschlag [bezüglich der oben genannten 9 Tschechenkinder] widersprochen.
IV Beschaffung von Schülern
Die deutschen Schulen sollten Instrument der Germanisierung sein. Sie haben ihr Ziel, die Heranbildung der Jugend, deutscher Jugend in ihrer Muttersprache nicht geschafft. In allen Richtlinien für die deutschen Protektoratsschulen geht es darum ob sie „deutsches Blut“ haben bzw. nicht haben. Die arroganten Faschisten glaubten, daß die minderwertigen Tschechen die Aufnahme in eine deutsche Schule als Ehre betrachten würden und sahen ihre Aufgabe deshalb in der Auswahl geeigneter Tschechen für die Germanisierung und in der Regulierung ihrer Anzahl.
In der Theorie bestand bis zum Jahr 1943 das Prinzip der freiwilligen Anmeldung. In der Praxis mußten tschechische Kinder schon mittels Nötigung bereits für die Gründung einer Schule beitreten.
In einem vertraulichen Rundschreiben des Reichsprotektors vom 07.06.1939 „Aufnahme von Schülern für deutsche Gemeinde- und Bürgerschulen im Schuljahr 1939-1940“ schreibt er:
1) Für die Aufnahme in allen Schulen ist es obligatorisch, Kinder deutscher Eltern bzw. wenigstens eines deutschen Elternteils aufzunehmen, wenn sie sich zum Deutschtum gemeldet haben und ihre Kinder Deutsch erziehen...
2) Kinder fremdsprachiger Eltern stehen hinsichtlich der Aufnahme deutschen Kindern gleich, wenn sie für Bürgerschulen soweit Deutsch sprechen, schreiben und lesen können, daß sie dem Unterricht in ihrer Klasse mühelos folgen können und für Gemeindeschulen, wenn sie Deutsch bloß sprechen und lesen können.
3) Die Kinder fremdsprachiger Eltern, die Deutsch nur verstehen und die keine Kenntnisse des Deutschen haben, können für alle Klassen aufgenommen werden an Gemeindeschulen bis zu einem Anteil von 25 % der jeweiligen Schulklasse. An Bürgerschulen kann der Prozentsatz je nach Bedarf auf bis zu 33 % erhöht werden. Für die einjährigen Lehrkurse (Notiz: 4. Jahr an der Bürgerschule) die nicht besucht werden von deutschen Kindern im Sinne der Punkte 1 und 2, wird der Anteil fremdsprachiger Kinder auf 25 % begrenzt. Für den erwarteten größeren Andrang tschechischer Schüler für unsere einjährigen Lehrklassen empfehle ich die Einbeziehung der Absolventen der einjährigen tschechischen Lehrkurse und man sollte sich bemühen, rein tschechische Kurse mit deutscher Unterrichtssprache einzuführen. (Solche Schüler bekommen für ihr tschechisches Zeugnis einen Vermerk, daß sie den Lehrgang in deutscher Sprache wiederholt und Kenntnisse in deutscher Sprache erworben haben)
4) Nichtaufgenommen werden Juden und Mischlinge mit 3 jüdischen Großeltern.
Obwohl die Aufnahme von Tschechen für deutsche Schulen freiwillig sein sollte, gab es bloß für die neugegründeten Schulen Zuwachs. Dies zeigt eine Zuschrift des Reichsprotektors am 28.06.1940.
“Mit Zuschrift vom 28.06.1940, XIV, Nr. E I-U-126/40 hat das Amt des Herrn Reichsprotektors [Baron von Neurath] in Böhmen und Mähren mitgeteilt:
...Grundsätzlich ist die Aufnahme tschechisch sprechender Kinder nur insoweit gestattet, als dadurch der deutsche Charakter der Klasse und der normale Fortgang des Unterrichts in keiner Weise gefährdet wird. Die deutschen Kinder dürfen weder im Gebrauch der deutschen Sprache noch in ihrer Gesinnung [!] ungünstig beeinflußt werden. Die Zahl der tschechisch sprechenden Kinder in einer deutschen Schulklasse darf deshalb nicht mehr als ein Viertel der Gesamtschülerzahl der betreffenden Klasse betragen. Unter den Anmeldungen tschechisch sprechender Kinder ist eine sorgfältige Auswahl zu treffen. Entscheidend für die Aufnahme ist die Einstellung der Eltern zu den heutigen staatsrechtlichen Verhältnissen. Ist sie einwandfrei positiv und ist bei den Eltern die offensichtliche Neigung vorhanden, sich durch Überführung ihrer Kinder in deutsche Schulen dem deutschen Volkstum anzunähern, so können ihre Kinder, soweit Platz vorhanden ist, in folgender Reihenfolge aufgenommen werden:
1. Kinder aus Ehen zwischen Deutschen und Tschechen
2 Kinder aus Familien, die z. Zt. zwar dem tschechischen Volkstum zugerechnet werden, in früheren Generationen jedoch deutsch waren und nur im Laufe der Zeit tschechisiert wurden.
3. Kinder aus rein tschechischen Familien
Bei den Kinder zu 3. wird eine besonders strenge und zurückhaltende Auswahl nach rassischer Untersuchung zu treffen sein. In allen Fällen ist es notwendig, daß der Leiter der Schule vor der Akzeptanz dieser Schüler die Einwilligung der örtlichen [NSDAP] Parteiorgane gewinnt. Sobald das Kind aufgenommen ist, ist es nötig die Eltern im Sinne meines Erlasses vom 1. Mai 1940 XIV E I-U-118/40 betreffend “Einsatz der tschechischen Sprache in deutschen Schulen” und den konkreten Anforderungen für ihre Kinder zu unterweisen und sie müssen ihre Kinder selbständig auf eine deutsche Schule ummelden. Damit tschechisch sprechende Schülerinnen und Schüler es schaffen dauerhaft den Unterricht zu belegen werden sie für das neue Schuljahr in Nachmittags-Hilfskurse in Deutsch eingeordnet. Hierüber erhalten sie noch zusätzliche Verhaltens-anweisungen. Dieser Erlaß ist zwingend als vertraulich zu betrachten. Aufgrund der Nichtveröffentlichung ist er nicht Gesetzesgrundlage für Werbung. Die Aufnahme tschechisch sprechender Schulkinder ist stets nur auf Basis freiwilliger Anmeldungen möglich.“
Das war die Theorie. Die Theorie war gefährlich für die Existenz neuer deutscher Schulen denn tschechisch sprechende Schüler aus gemischten Eltern hatten nur oberflächliche Möglichkeit sich freiwillig anzumelden oder auch nicht. Die Theorie unterschiedet sich von der Praxis weil der Reichsprotektor schon am 03.08.1940 erwähnen muß, daß sich die Richtlinie selbstverständlich auf Kinder von Eltern deutscher Staatsangehöriger bezieht. Sie müssen in jeder Hinsicht in deutsche Schulen angenommen werden auch wenn sie vorher eine tschechische Schule besuchten und u.U. die deutsche Sprache nur hinreichend beherrschen.
In der Praxis also war der Übertritt auf eine deutsche Schule eine sehr einfache Angelegenheit. Umgekehrt jedoch war es viel komplizierter. Zeugnis dafür ist eine Zuschrift an den deutschen Bezirksschulinspektor vom Oberlandrat in Budweis.
„Betreff: Besuch Kinder in deutschen Schulen.
Im vorliegenden Fall ergeht als Anlaß der Stärkung des Deutschtums in meinem Amtsbereich die Anordnung, daß die Leiter deutscher Schulen meines Amtsbereiches mich benachrichtigen über Fälle bei denen sich Kinder aus deutschen Schulen auf tschechische Schulen überweisen lassen.“
Direkter Anlaß um neue Schüler für deutsche Schulen zu erhalten war das Bestreben am Festhalten von mehr Klassen in Schulen auch wenn es sich um nachlässige Auslegung von Vorschriften handelte die günstiger für tschechische Schulen waren.
Der deutsche Inspektor verschickte an Schulen bei denen die Anzahl der Schüler gesunken ist die Mahnung mehr Schüler zu gewinnen. Im Zeitraum 1941 haben die Schulen von Borovivany, Frauenberg, Hodowitz usw. diese Zuschrift erhalten:
„Betreff: Gefährdung von Parallel-Klassen für das Schuljahr 1941/1942
Es dürfte bekannt sein aus dem Schulbericht auf Basis der Verordnung vom 15.05.1941 Nr. 222 daß es für die Eröffnung von Klassen für deutsche Schulen festgelegt ist, daß dafür auch im Schuljahr 1941/42 die Anzahl von 46 Kindern nötig ist. Diese Schülerzahl ist nötig zum Nachweis der Existenz von Klassen gemäß der gesetzl. Notwendigkeit für Parallelklassen nach § 3 Gesetz Nr. 226/1922. Gemäß vorgelegtem Bericht über den Eintrag von Schülern am Ende des Schuljahres 1941/42 ist vermerkt, daß Ihre Schule ... Kinder hat.
Es ist dringend notwendig, daß sich die Schulleitung bemüht, daß noch mehr Schüler in die Schule eintreten, so daß ich vom Schulministerium und der Nationalen Kulturstiftung Parallelklassen beanspruchen kann, auch wenn es gesetzlich nicht zwingend ist.“
Interessant ist für uns wie zu genannter Zweiklassigkeit ausgegangen so außer in Schwarzbach wo es angeblich 23 Schüler waren in einklassiger Schule und es blieb zweiklassig in Borovanech mit 34 Schülern, Frauenberg mit 33 Schülern, Schweinitz mit 34 Schülern und in Hodowitz waren 58 Schüler in 3 Klassen, zu Gunsten von Trebaze mit 3 Klassen waren auf einer deutschen Schule mindestens 91 Schüler.
Die Maßnahmen zum gewaltsamen Wechsel tschechischer Schüler auf deutsche Schulen ist voll in Gang gekommen im Jahr 1942. Es hieß auf Deutsch „Erfassung“ oder „Umvolkung“. Die nationale Erfassung geschah durch die Bezirksleitung der NSDAP gemeinsam mit der Rasse- und Siedlungsstelle beim Oberlandrat. Das Rasse- und Siedlungsamt bereitete die Germanisierung vor und erforschte den rassischen Wert. Im Jahr 1943 waren fünf Schulen auf denen neuerfaßte Kinder gingen (Berlau, Duben, Holubau, Krems und Neudorf)
Deren Kinder waren kaum Deutsche. Am Ende des Schuljahres 1942/1943 bekamen nur 2 Kinder, die das Alter 14 erreicht hatten, ihren Abschied, die anderen 10 mußten aus freiem Willen noch 1 Jahr in die Schule gehen damit sie Deutsch lernten und hauptsächlich damit die Anzahl der Schüler in den Klassen anzog. In Duben waren es 5 Kinder mit Namen Nikolussi. ( Ada, Johann, Olindo, Jakob, Ancilla)
Hauptsächliche Praxis der Rassentrennung jedoch war die Erfassung zum Wert der Rasse der Tschechen die Reichsangehörige werden sollten. Die Erfassung war eine Massenaktion. Es zeigt sich in der Übersicht des Verpflegungsberichtes von Lischau/Lisove am 5.10.1942:
„Der Bezirkshauptmann in Budweis Reichsauftragsverwaltung
Sachgebiet I/1.e Budweis, 06.10.1942
Auf Grundlage der Verordnung vom 6.6.1941 und Erlaß des Reichsprotektors Nr. I 3b-2247 vom 01.07.1942
Es waren vorgeladen 96 Familien mit 388 Personen
Nicht wiedereindeutschungsfähig 33 Familien mit 137 Personen
Wiedereindeutschungsfähig 63 Familien mit 251 Personen
darunter Kinder: 126 darunter schulpflichtige oder jünger: 109
Von den 63 Familien wurden 14 Familien amtsärztlich untersucht. Es wurde festgestellt, daß diese Familien um einer Wiedereindeutschung zu entgehen angaben, in der Familie sei Tuberkulose oder Epilepsie. Diese Ausreden werden auch hier im Amt vielfach gebraucht und erwiesen sich als Mittel der Antipropaganda.“
Das Ergebnis war, daß die Lischauer Schule im nächsten Schuljahr 13 neue Schüler erhielt wie die Stimme einer fanatischen Nationalsozialistin, der Schulleiterin Margarete Porak am 08.09.1943 sagte.
Zuweilen war das Zutrauen in die nationale Erfassung der Schulkinder enttäuschend. Beispiel so eines falschen Optimismus ist von Welleschin (Olesnice) bei Schweinitz:
„Deutsche Knaben und Mädchenschule in Welleschin Kreis Budweis
Nr. 311/42, Welleschin am 01.09.1942
Herrn deutschen Bezirksschulinspektor
Betreff: Zuwachs an Schülern nach der Volkserfassung
Bis heute hat die Kreisleitung der NSDAP die Volkserfassung nicht begonnen. Es ist daher nicht möglich, die endgültige Anzahl der Kinder zu melden. Aufgrund bisheriger Ermittlungen kann man jedoch mit Sicherheit von einer Anzahl neuer Schüler von 30-35 Kindern ausgehen.
Schulleiter: Adalbert Witzani“
Der Leiter gibt bei einer weiteren Statistik vom 01.10.1942 insgesamt 11 Kinder an. Im nächsten Jahr waren es vollständig 10 Schulkinder.
Auch der Wittingauer Klaushofer versprach, daß mit der Volkserfassung seine Schülerzahl ein Höchstmaß annehmen könnte. Er könnte vielleicht drei Klassen füllen. Tatsächlich ist es nicht gelungen, es blieb bei 2 Klassen.
Die Statistik der Anzahl deutscher Schulen erscheint uns im Jahr 1942 für die Deutschen als sehr erfolgreich. In der Stadt waren es 1.000 Kinder, die alten Schulen hatten fast 100 % Zuwachs und 812 Schüler in tschechischen Dörfern waren auch als Erfolg zu betrachten. Aber unterdessen weist der Nazi-Hauptmann Dr. [Quido] Strobl auf katastrophale Entwicklungen hin und erreicht die schon früher benutzte Praxis als behördliche Taktik, nämlich Kinder für deutsche Schulen mit Gewalt zu produzieren.
„1. Vermerk Budweis, den 02.08.1943
Betrifft: Deutsche Staatsangehörigkeit; Erfassung von Schulkindern
Anläßlich des Besuches des SS-Obergruppenführes Greifelt[v] , des Vertreters des Reichsführer SS [Heinrich Himmler], Reichskommissär für die Festigung des deutschen Volkstums am 13. und 14. Juli 1943 hatte ich am 14. Juli 1943 Gelegenheit mit SS Obersturmbannführer Fischer grundsätzliche Fragen der Erfassung der deutschen Staatsangehörigkeit zu besprechen. Ich schilderte Obersturmbannführer Fischer die bisherige Entwicklung und die Notwendigkeit, deutsche Schulen zwangweise mit Schulkindern zu versorgen, wenn man Schulen nicht zum erliegen bringen will.
... Am 28. Juli fand bei mir eine Besprechung statt, an der für den Reichsprotektor in Böhmen und Mähren, Hauptabteilung I, Oberregierungsrat Werner, für den Landespräsidenten RAV, Regierungsrat Dr. Berger und Regierungsoberinspektor Olkrug, der Leiter des RuS[vi] Amtes beim Reichsprotektor in Böhmen und Mähren, SS Sturmbannführer Preiss, der Kreisleiter der [Budweiser] NSDAP Gasthuber, der Kreispersonalamtsleiter Pührer, der Kreisgrenz- landsachbearbeiter Karasek, der Leiter der SD-Dienststelle SS Sturmbannführer Eichler, der Leiter einer RuS-Stelle, SS Untersturmführer Böhm, ich und Sachbearbeiter Spindler teilgenommen haben.
Ich habe die Herren über die Entwicklung der Zuerkennung der deutschen Staatsangehörigkeit im südböhmischen Raum eingehend unterrichtet. Ich habe dabei auch besonders deutlich darauf hingewiesen, daß bei der Erfassung der Kinder aus sogenannten völkischen Mischehen ungemein großzügig bei der Festlegung der deutschen Volkszugehörigkeit vorgegangen wurde, so dass es sich in vielen Fällen eigentlich um die Eindeutschung von völlig verschüttetem Deutschtum handelt, da sie nur in Bruchteilen der Familie vorhanden ist...
Soweit es zur Aufrechterhaltung der deutschen Schulen im Bezirk Budweis und Wittingau notwendig ist, können Kinder unter weitherzigster Auslegung der geltenden Bestimmungen über die zwangsweise Erfassung von Kindern aus sogenannten völkischen Mischehen zur deutschen Staatsangehörigkeit erfasst werden.
In enger Kooperation untereinander werden das Rasse- und Siedlungsamt, die Kreisleitung [der NSDAP] und das Standesamt und mein Referent wünschenswerte Kinder so bald wie möglich auswählen und überprüfen. Angestrebt ist es für das kommende Schuljahr, beginnend im September. Der Bericht des Landesvizepräsidenten - Reichsauftragsverwaltung – hat jedesmal zu beinhalten das Verhältnis zum Deutschtum, wie üblich anhand des Grades mit Rücksicht auf das deutsche Blut, danach die Erklärung des Rasse- und Siedlungsamtes über die Zumutbarkeit des Bevölkerungszuwachses und die Maßnahmen zur Sicherstellung der Verdeutschung. Für die Verdeutschung ist es nötig nach Möglichkeit eine Sicherheit abseits der Schule zu suchen wie z.B. die Erziehung in der Hitlerjugend. Nach Möglichkeit, wenn auch nicht unbedingt erforderlich hat der Vorgang auch zu beinhalten die Nachricht an die Eltern des Kindes, diese war gemäß bestehendem Fragebogen zu erfassen. Innerhalb dieser beschleunigten Erfassung kann es im Interesse der Beschleunigung sein, davon abzusehen. Oberinspektor Olkrug vom Amt des Landespräsidenten – Reichsauftragsverwaltung – kommt im Bedarfsfall im August nach Budweis und kontrolliert hier den Ablauf und die Ausstellung der Ausweise der deutschen Staatsangehörigkeit.
Bei der Besprechung wurde auch geklärt, daß zur feierlichen Aushändigung der deutschen Staatsangehörigkeitsausweise die Personen, die zwangsweise erfasst wurden, nicht unbedingt herangezogen werden.
02.08.1943
gezeichnet: Dr. Strobl“
In den Akten ist weiter die Anweisung für den Wittingauer Kreis – Reichsauftragsverwaltung – daß man umgehend für die Schulen in Welleschin und Suchental 10 – 15 Kinder und für Jilovice 5 – 7 und für Wittingau etwa 5 bis 10 Kinder gewinnt. Für den Kreis Budweis sind keine Quoten aufgeführt, in dem Verzeichnis der Schulen sind jedoch Schulen hingeschmiert [worden]: Hackelhöf, Böhmisch Fellern, Ellexnitz, Wesseli, Jilivice, Lischau, Nova Ves, Borsov, Ruden.
Die deutschen Ämter arbeiteten viel schneller, so daß am 31.8.1943 der Schulinspektor folgendes Schreiben erstellte:
„Betreff: Schulprogramm 1943/1944
Die deutsche Staatsangehörigkeit erhielten die unten aufgezählten Kinder. Der jeweilige Ausweis wird an die Eltern per Einschreiben innerhalb der nächsten Zeit zugesandt.“
In der Aufzeichnung sind 79 Kinder. ...
„Bezirkshauptmann von Budweis
Reichsauftragsverwaltung
Herrn...
In ...
Betreff: Umschulung Kinder
Der Landespräsident in Böhmen – Reichsauftragsverwaltung – hat Ihren unten erwähnten Kindern die deutsche Staatsangehörigkeit eingeräumt. Den Ausweis der deutschen Staatsangehörigkeit werden Sie für die unten erwähnten Kinder erhalten.
Ihre Kinder sind: .....
Ich ersuche Sie, daß Sie die erwähnten Kinder, die bis jetzt die tschechische Schule in ...besuchten dort abmelden und anmelden für den Besuch in der deutschen Schule in ...
Im Auftrag
Oppelt“
Es ist möglich, sich vorzustellen, wie ein solches Schreiben auf tschechische Eltern wirkte. Diese Dinge geschahen jedoch nicht erst bei der Massenaktion im Sommer 1943. Ähnliche Verzeichnisse für Kinder, die die deutsche Staatsangehörigkeit bekamen um deutsche Schulen zu füllen traten schon auf im Jahr 1942, am 28.9.1942 [gibt es ] ein Verzeichnis mit 31 Namen; am 7.10.1942 mit 20 Kindern, am 27.10.1942 mit 14 Kindern.
V. deutsche Kinder für deutsche Schulen
Nachdem die Okkupanten in tschechischem Land deutsche Schulen gründeten, verdoppelte sich die Anzahl der Schüler für deutsche Schulen in Budweis und Umgebung, sie kämpften mit dem Problem die Kinder schnellstmöglich zu germanisieren. Es gab Richtlinien über die höchstens zulässige Anzahl tschechischer Kinder in deutschen Schulen [sie] mußten verharren auf dem Papier schon aus dem Grund um perfekt die Idee deutscher Kinder zu verdunkeln. Es kam zu dem Vorkommnissen [daß] tschechische Eltern Protektoratsangehörige waren und sie Kinder deutscher Staatsangehörigkeit hatten. Entstanden ist [eine Staatsangehörigkeit „Protektorat“, sie war] nicht deutsch und nicht tschechisch. Im Jahre 1941 gab es eine Anweisung der zentralen Statistikbehörde über den Fakt des Mißverhältnisses untereinander der Rapportverpflichtung aus der Schule und der Kreissumme. Mancher Verwalter einer Schule (Wesseli und Welleschin und Pfaffenhöf) meldeten Schüler mit Protektoratsangehörigkeit, der deutsche Bezirksschulinspektor gibt diesselben als Reichsangehörige an. In dem Widerspruch heißt es, darin [in der Statistik] seien Schüler deutscher Nationalität angeführt als Protektoratsangehörig. Denn es heißt im Erlaß des „Führers und Reichskanzlers“ am 16.3.1939 daß die Einwohner des Protektorats, die zur deutschen Nation gehören, automatisch auch deutsche Staatsangehörige sind.
Der deutsche Schulinspektor beantwortete den Vorwurf auf diese Weise:
1) Die Verwalter deutscher Schulen sind junge Lehrkräfte und es fehlt ihnen die Erfahrung und die Qualifikation um die an sie gestellten Anforderungen zu erfüllen. Die Daten sind in der Verdichtung selbstverständlich korrekt.
2) Die Staatsangehörigkeit einiger Bewohner des Protektorats entscheidet sich erst noch.
Für diesen Beginn betrachten wir den Wert der Statisitik für die Anfrage zur Ermittlung der Nationalität oder Staatsangehörigkeit als gering. Trotzdem habe ich zur Vollständigkeit diese Tabelle aufgestellt die angibt die Kinder tschechischer Nationalität, Protektoratsangehörige und Gesamtzahl tschechischer Kinder in deutschen Schulen.
|
Jahr
|
Tsch. Nationalität
|
Protektoratsangehörige
|
Anzahl Kinder
|
|
1938
|
19
|
0
|
661
|
|
1939
|
57
|
0
|
1.042
|
|
1940
|
154
|
134
|
1.744
|
|
1941
|
60
|
115
|
1.949
|
|
1942
|
164
|
261
|
2.164
|
|
1943
|
108
|
207
|
2.315
|
|
1944
|
86
|
140
|
2.333
|
Der Zustand der Kinder ist festgehalten vom 1.10. jeden Jahres (1938 vom 31.12.)
Im Abgleich ist genannt die Anzahl der Schüler für deutsche Schulen die Zahl mit tschechischer Nationalität. Wir stellen fest, daß die Anzahl der Mischlinge gering ist. Ich versuchte für mich die Anzahl deutscher Kinder in deutschen Schulen auf eine andere Art und Weise festzustellen. Daß war nicht so einfach, hierüber zeigt sich Erlaß Reichsprotektor von „Anwendung tschechischer Sprache“ vom 01.05.1940, also für Dauer wo man den Unterschied „tschechische Jugend“ und „tschechische Jugend deutschen Blutes“ erst zu entwickeln begann.
„.. Der Herr Reichsprotektor in Böhmen und Mähren hat mit dem Erlasse vom 01. Mai 1940 Nr. XIV EIU-0118/40 angeordnet, der unterstellten Lehrerschaft folgendes bekanntzugeben:
Mir wird immer wieder berichtet, daß von Schülern(innen) deutscher Schulen während der Unterrichtspausen und bei sonstigen Gelegenheiten innerhalb des Schulbereiches Tschechisch gesprochen wird. Es handelt sich dabei um Kinder aus Familien, die sich nach dem 15. März 1939 dem deutschen Volkstum zugesellt haben, nachdem sie vorher aus irgendwelchen Gründen auf einem anderen Boden gestanden hatten. Solchen Kindern und ihren Eltern muß mit allem Nachdruck zum Bewußtsein gebracht werden, daß in einer deutschen Schule, selbstverständlich mit Ausnahme des Unterrichts im Tschechischen, nur Deutsch gesprochen wird...
Der Gebrauch der tschechischen Sprache innerhalb des Schulbereiches ist deshalb den Schülern(innen) mit sofortiger Wirkung strengstens zu untersagen. Gleichzeitig sind sie von ihren Lehrern über die Notwendigkeit des alleinigen Gebrauchs der deutschen Sprache eingehend zu belehren, und es ist ihnen nahe zu legen, ihre Eltern zu bitten, daß sie zu Hause mit ihnen nur Deutsch sprechen.
Nur in besonders gelagerten Ausnahmefällen, in denen es den betreffenden Kindern nach Ansicht des Lehrers tatsächlich noch nicht möglich ist, sich allein in der deutschen Sprache auszudrücken, wird ihnen innerhalb des Schulbereiches ein auf das Mindestmaß beschränkter Gebrauch des Tschechischen von Fall zu Fall unter Aufsicht des Lehrers noch für gewisse Zeit gestattet werden dürfen. In Fällen jedoch, in denen Schüler ohne Not Tschechisch sprechen, obwohl sie der deutschen Sprache soweit mächtig sind, um sich, wenn auch vielleicht noch unbeholfen, ausdrücken können, hat der Lehrer sofort strafend einzuschreiten.
... Alle Schüler (innen) müssen sich der Ehre und des Vorzuges bewußt sein, eine deutsche Schule besuchen zu dürfen. Dieses ist ihnen durch ihre Lehrer ausdrücklich klar zu machen. Eine Übernahme in die deutsche Volksgemeinschaft zieht Verpflichtungen nach sich, deren genaueste Erfüllung von Seiten der deutschen Schule gefordert werden muß...“
Weil die Schüler nicht gut die deutsche Sprache sprechen können und tschechisches Milieu noch den deutschen Assimilierungsprozeß behindert, eröffnete man für Kinder die nicht gut Deutsch sprechen konnten, Deutschkurse.
„Damit man Kindern die noch fehlerhaft Deutsch sprechen die Möglichkeit anbietet schnell die deutsche Sprache zu meistern, hat man gemäß dem Wunsch des Chefs der Abteilung XIV beim Amt des Herrn Reichsprotektors für allgemeine Schulen im Protektorat, Freizeitkurse errichtet von halbstündiger Dauer in wöchentlichem Umfang von [insgesamt] zwei Stunden... Für jede Schule gibt es einen einzigen Kurs und für die Leitung einen Lehrer. Der Herr Reichsprotektor ließ zur Verfügung stellen als Honorar für diese Kurse, die bloß ein Halbjahr dauern, die Summe von 36.000 RM [Reichsmark]. Die Leiter der Kurse haben als Honorar für jede Stunde 2,50 RM zu empfangen. Spätestens bis 10. September diesen Jahres müssen die Leiter jeder Schule verläßlich melden, inwieweit sich für diese Schule Kurse eignen, wo die Kurse beginnen, wer den Kurs hält, die Anzahl der Schüler die sich an jedem Kurs beteiligen.“
Diese Richtlinie mußte geändert werden in dem Sinne, daß Kurse zwar bloß ein halbes Jahr dauerten, aber dafür bis zum Abschluß des Protektorats [1945]. Auch die Prämie für Stunde hat sich im Jahr 1942 erhöht auf 30 RM. Kurse waren für allgemeine Schulen, manchmal 2 (Rudolfstadt, Frauenberg, Netolitz, Schweinitz, Wittingau, Vodnany a.j. ) Für Budweiser Schulen waren es sogar 12 Kurse.
Manche deutsche Lehrer sahen die Möglichkeit für die Kinder sehr pessimistisch.
„Zur Unterweisung in der deutschen Sprache muß ich feststellen, daß die Kinder Scheu zeigen vor dem Gebrauch der deutschen Sprache und daß für meinen Verantwortungsbereich gilt daß sie, wenn sie untereinander sind, sie fast nur ausschließlich tschechisch sprechen. Soweit sie mehrheitlich in tschechischem Milieu leben, wollen sie sich kaum die deutsche Sprache beibringen. Schuld haben hauptsächlich die Eltern. Obwohl viele Schüler ein Elternteil deutscher Herkunft haben, sprechen sie beinahe in allen Familien bloß Tschechisch. Es wird Jahre dauern bevor alle, denen man die deutsche Staatsangehörigkeit gegeben hat, ausschließlich Deutsch sprechen werden.“
In Akten ist auch eine rechtsgerichtete Meinung aus Forbes, die [der Meinung der] Budweiser Deutschen entspricht welche die Verdeutschung mit Gewalt wollten. Anton Schöttner, der Leiter der Schule, schreibt:
„Wäre gut wenn die streudeutsche Hitlerjugend die sich wenigstens einmal im Monat trifft, zusammen für den Appell in Budweis, gleich einige Pikkoloflöten und Trommeln bekommen würden, damit sie sich besser verstehen, so daß ihre Kameraden in Budweis sie für [den anderen] Deutschen gleichgestellt halten. Ferner wäre es von Wert hätten die Schüler innerhalb der Hitlerjugend die Möglichkeit Filmaufführungen in Budweis zu besuchen. Der Zuzug tschechischer Jugend deutschen Blutes für deutsche Schulen, und damit auch für die Hitlerjugend, er wäre lebensfähig.“
Indirekt haben wir ein Dokument über die Anzahl tschechischer Kinder in deutschen Schulen für den Beginn des Schuljahres 1941/1942. Der Oberlandrat benötigt um für sich zu beschaffen „Finanzen für Programme weitgehender Bedeutung“ gewisse Daten von den Direktoren der Schulen, [er will daß man] ihm mitteilt Daten, betreffend Staatsangehörigkeit Schüler und Kenntnis oder Unkenntnis der deutschen Sprache. Die Übersicht der Meldung der Schulen ist in der Anlage.
Über durchgerechnete Daten war dieses Ergebnis zu erzielen:
1) Für deutsche Öffentlichkeit und Hauptschulen waren am 1. September 1941 offziell vermerkt: 1.970 Schüler
2) Anzahl Schüler Protektoratsangehörigkeit, die Eltern haben nicht eingereicht ein Gesuch, daß man den Kindern die deutsche Staatsangehörigkeit gibt: 94 Kinder
3) Anzahl Kinder die noch nicht die deutsche Staatsangehörigkeit haben aber ein Gesuch eingereicht haben: 239 Kinder
4) Anzahl Kinder deutscher Staatsangehörigkeit ohne Rücksicht auf Sprache von Eltern und Kindern. Hierbei Einrechnung deutscher Eltern gemäß ihrer Gesinnung und Kinder, deren Gesuch auf Erteilung der deutschen Staatsangehörigkeit nicht schon entschieden ist, aber die Deutsche sind (in Ausnahme Kinder in dt. Muttersprache die im 2. Punkt aufgeführt sind): 1.856 Kinder
5) Anzahl Kinder, die Deutsch nicht ausreichend sprechen [in Kinder aufgeführt in Punkt 4] 875 Kinder. Für diese lassen sich folgende Erkenntnisse berechnen:
6) Anzahl Kinder dt. Staatsangehörigkeit die gut Deutsch sprechen: 981 (1856 minus 875 = 981)
7) Erechnet darüber Kinder welche die dt. Muttersprache haben aber sich melden wie Deutsche (981 +18 = 999)
8) Anzahl Kinder die nicht gut Deutsch können (971) (Gesamtzahl 1.970 minus deutsche Muttersprache 999 = 971)
Als Nachwort daß in diese Analyse fließt ist [festzustellen] daß ungefähr die Hälfte der Kinder in dt. Schulen nicht gut die deutsche Sprache können. Es ist die Frage inwiefern die Aussagen für einzelne Schulen dem wahren Zustand entsprechen. Ich glaube, daß deutsche Lehrer keinen Grund hatten, Kinder mit deutscher Sprache in ihrer Schule zu leugnen, eher umgekehrt. Deshalb müssen wir die Anzahl nichtdeutscher Kinder als Mindestmaß annehmen. Ansonsten wird die aktuelle Schulstatistik vom Amt des Oberlandrats sehr scharf kritisiert. 7 Schulen haben angeblich den Fragebogen schlecht ausgefüllt und der Oberlandrat hat es zur Berichtigung zurück an den deutschen Inspektor [Franz Oppelt] gegeben. Nötig ist es auch zu erwähnen daß das gewaltsame Eintreiben tschechischer Kinder für deutsche Schulen erst begann im Jahr 1942 und sich später entfaltete im Jahr 1943.
Wirkliche Situation de deutschen Schulen ist ausgestanden schärfer. Deutlicher erklärt es eine Statistik in der Anlage näher.
Die meisten Kinder beherrschten Deutsch in 2 Budweiser Hauptschulen. Dort gibt man an bloß 41 (39+2) und 53 (42+11) Kinder die nicht gut Deutsch sprechen.
Diese Schule hauptsächlich sollte benachteiligte Schüler senden auf Gemeindeschule. Dies ist schöne Rolle in späteren Jahren. Trotz der entsprechenden guten Kenntnisse Deutsch haben für jede Schule 3 Kurse Deutsch bestanden.
Am besten ist die deutsche Schule im Grenzgebiet bei Berlau die besucht wird von einer Mehrheit von Schülern aus dem besetzten Gebiet. Die Schule stützt sich mit Macht auf einige deutsche Eltern in der Gemeinde. Schlimme Situation war in Gemeinden wo vorher eine deutsche Schule gewesen war. [idR bis kurz nach dem 1. Weltkrieg. Dann hatte man sie geschlossen] Dort erreicht der prozentuale Anteil der Schüler die gut Deutsch sprechen annhähernd die Hälfte.
Am schlimmsten es war mit Deutsch in neuen deutschen Schulen. In Wittingau, Ledenice, Forbes, Wesseli, Pfaffenhöf, Frauenberg, Duben und Böhmisch-Fellern konnte man kaum Deutsch gemäß Bericht der Lehrer. In Netolitz, Welleschin, Rajau und Krems können gut Deutsch außer dem Lehrer 1 Schüler, in Moldauthein 2 Schüler, in Ruden 3 Schüler in Lischau und Nebahau 4 Schüler, in Schweinitz 5 Schüler, in Vierhöf 6 Schüler und in Elhenitz sogar 7 Schüler.
VI Widerstand gegen Umsetzung tschechischer Schüler für deutsche Schulen.
Gegen Umsetzung ihrer tschechischen Kinder auf dt. Schulen widersetzten sich die Eltern. Im Kreisarchiv Budweis sind viele Gesuche von bittenden Eltern erhalten, daß ihre Kinder nicht auf dt. Schulen sollen. Das Bemühen begründet sich irgendwie, ohne es zu wollen auf das Heranzüchten von Deutschen. Selbstverständlich begründet es sich auch auf die Erläuterung wie sie leben wollen, so war es für die Eltern eine Begründung, daß sie als Tschechen geboren sind, daß sie ohne es zu wollen die deutsche Staatsangehörigkeit bekamen und daß ohne es zu wollen ihre Kinder Deutsche sind und das sie es nicht wollen sogar wenn ihnen dies materiell von Nutzen wäre.[vii]
Und so sind die Argumente bzw. eher die Vorwände, warum das Kind nicht auf die deutsche Schule kann typisch wie diese: Die deutsche Schule ist in einem benachbarten Dorf, das Kind ist klein und kann nicht allein durch den Wald gehen, es kann nicht allein fahren etc. Die Antwort des Schulinspektors [ Franz Oppelt] war: Betreffend das Finanzwesen kann der Fahrpreis aus dem Volkstumsfond bezahlt werden, nötigenfalls wird eine Verbindung zu einem Schülerwohnheim zwecks Unterkunft hergestellt. Wenden Sie sich an den Hitlerjugend-Bann 488 in Budweis. Der Aufenthalt kann dem Kind auch zum Teil vergütet werden.
Die Schülerwohnheime sind für die Eltern ein Schrecknis. Im Jahr 1942 hatte das deutsche Schülerwohnheim in Budweis eine Kapazität von 100 Schülern, besetzt war es bloß mit 32 Plätzen. Weitere Häuser sind für Schülerinnen und dann für Lehrlinge. Auch dies ist nicht voll genutzt, bei 60 Plätzen waren dort bloß 43 Lehrlinge.
Zwei Schülerwohnheime waren in Tabor, eine für Schüler der allgemeinen Schule (1. bis 4. Klasse) und die zweite für die Hauptschule, im ganzen mit einer Kapazität von 60 Schülern. In Wittingau ist das Potential von 30 Kindern auch nicht besetzt. Geplant waren Häuser in Netolitz und Schweinitz.
Der deutsche Inspektor lobte die Schülerwohnheime. Die Kinder lernen dort viel und reichlich Deutsch und dort wirkt nicht der schlechte Einfluß der Eltern.[viii] Die Ausbildung ist nach allgemeiner Überzeugung garantiert. Es sollten angeblich auch weitere Schülerwohnheime in Orten errichtet werden, die unter national-politischen Gesichtspunkten eine wichtige Rolle spielen. Die Eltern älterer Kinder führen an, daß in der tschechischen Schule der Schüler besser lernt, in der deutschen Schule jedoch in seinen Leistungen abfallen wird, da er den in Deutsch gehaltenen Unterricht nicht versteht.
Viel häufiger sind Klagen zu einem schlechten Gesundheitszustand der Kinder und daß sie deshalb nicht auf eine deutsche Schule sollen, die nicht im Wohnort ist. Auch das Attest eines tschechischen Arztes sollte helfen. Die Deutschen freilich haben einen Amtsarzt gehabt, der Zweifel am Zustand der Lunge [u.U. die damals weitverbreitete Tuberkulose] unbeirrt verworfen hat.
Manche Eltern haben jedoch geäußert: Wir sind Tschechen und tschechische Kinder haben auf eine tschechische Schule zu gehen!
Wie dies ausgegangen ist, zeige ich an konkreten Fällen. Der erste Fall ist für den Bittsteller ausnahmsweise gut ausgegangen.
Der Eisenbahnangestellte aus Welleschin, Nr. 152 F.N. hat gewünscht, daß seine Tochter, tschechischer Nationalität, Staatsangehörigkeit Protektorat, nicht besucht die deutsche Hauptschule. Uner vielen [genannten] Gründen hat das Amt zweimal grün unterstrichen „Epileptischer Anfälle“. Entsetzen, deutsches Blut verseucht mit Epilepsie! Der Übertritt [auf eine tschechische Schule] wurde bewilligt. In Kürze wurde auch ihr Bruder von der deutschen Schule befreit. In der Beurteilung spricht man von „ungeeignet für Germanisierung“
Die Deutschen orientierten sich hauptsächlich an Eltern mit vielen Kindern. Am 1. April 1943 erfüllt der Inspektor die Berichterstattung für die Bezirkshauptmannschaft.
„Betreff: Kinder P. aus Boru, Überführung an deutsche Schulen. Zu dem Bericht der deutschen Volksschule am 27.03.1943, Nr. 195 haben wir unsere Gendarmeriepatrouille beauftragt, daß sie bei ihrer Streife die Eltern P. auffordern, daß ihre 3 schulpflichtigen Kinder sofort eingeschrieben werden müssen. Ich ersuche Sie um Mitteilung an das Protektoratsamt des Schulinspektors, daß die Umschulung der Kinder sofort geregelt ist.“
Ein Vater, Forstarbeiter in Netolitz bei der schwarzenbergischen Forstverwaltung, der im Monat 700 KC verdient, bittet, daß mindestens der älteste Sohn die 3. Klasse der tschechischen Hauptschule abschließen darf. Der Inspektor hatte es ihm am 22.04.1943 versprochen, aber am 15.05.1943 entfiel die Freigabe. Und auch J.P. damals in der letzten 3. Klasse der tschechischen Hauptschule, eineinhalb Monate vor dem Abschluß, mußte fortgehen auf die deutsche Parallelklasse in Netolitz. Die Netolitzer Schule stellte sich nämlich gegen die Meinung des deutschen Inspektors mit einer sehr kuriosen Begründung, warum J.P. nicht die tschechische Schule besuchen kann. Die Eltern sind Tschechen und stellen sich völlig offen gegen das Deutschtum. Der Schüler hört Zuhause nichts Freundliches über Deutsche. Er und seine beiden kleinen Brüder sind die einzigen Deutschen in Groß-Boru und sogar in den benachbarten Gemeinden. Es wäre, wenn er nicht auf die deutsche Schule gehen darf, nötig ihn in ein deutsches Schülerheim zu bringen, damit die deutsche Erziehung sichergestellt ist.
Zu der aufgestellten These „er und seine beiden kleinen Brüder sind die einzigen Deutschen“ ist es nötig anzuführen, daß die deutschen Ämter ihnen Ausweise über die deutsche Staatsangehörigkeit zugesandt haben und damit Deutsche aus ihnen gemacht haben. Was es für Probleme in gemischten Familien gab, offenbart umfassend ein Brief aus Schweinitz.
Die Kinder P. aus Schweinitz bekamen den Befehl die örtliche deutsche Schule zu besuchen. Ihr Großvater wollte ein gutes Wort einlegen, daß wenigstens der älteste auf der tschechischen Hauptschule bleiben durfte. Er argumentierte so: Er selbst ist Deutscher, eingewandert aus Österreich und hat sich zum Deutschtum [freiwillig] gemeldet. Aber sein Sohn hat sich nicht als Deutscher gemeldet und will es auch zukünftig nicht. Die Mutter der Kinder kann kein Wort Deutsch und will sich lieber scheiden lassen, als ihre Kinder in eine deutsche Schule zu geben. Die Kinder lernen in der tschechischen Schule viel und gut, während sie in der deutschen Schule durchfallen können. In Schweinitz sollten sie nicht Deutsche sein, da die Stadt doch zu sehr Tschechisch ist. Es ist eine vergebliche Anstrengung.
Der Brief des unternehmungslustigen Großvaters kam zur Beurteilung an die örtliche deutsche Schule. Die Äußerung der Schule war sehr scharf. Die Kinder bekamen die deutsche Staatsbürgerschaft, sind also Deutsche und gehören auf die deutsche Schule. Die Eltern erschweren die deutsche Erziehung und es wird notwendig sein, für die Kinder einen deutschen Vormund zu benennen.
Die Entscheidung war ein Kompromiß. 2 Kinder sollten die deutsche Schule in Schweinitz besuchen, der viel ältere Bub besucht die tschechische Hauptschule in Schweinitz, weil im deutschen Schulwohnheim in Budweis ausgerechnet zu dieser Zeit kein Zimmer frei war.
Im Fall P. war der Grund deutlich: ein deutscher Großvater.
In anderen Fällen hat es zugeschnappt bloß wegen einem deutschen Namen. Im Protektorat war es nicht erwünscht, daß Deutsche tschechische Namen besitzen; und auch in einem Rundschreiben wurde hingewiesen daß es möglich ist Namen amtlich zu verdeutschen. Die Befunde jedoch zeigen daß man es nicht tat. Andererseits konnten unsere germanisierten Lehrer in Südböhmen sich ihrer Namen nicht rühmen, ihre Namen führe ich in Stichproben auf: Bělina, Wrba, Křiž, Kadař, Janota, Wicpalek, Schima, Zahorka, Horejši, Wondra, Wessely, Tomaschko, Morawetz, Hodina, Wittousch, Zeman, Marschik, Slunečko, Hoscheck, Houška, Tuma, Zach, Pavel, Nossek, Kartak, Cejka, Petersilka usw. Die Informationen kann ich geben die an deutschen Schulen wirkten. Wehe jedoch wenn irgendein Tscheche einen deutschen Namen hatte. Die Eltern unterschrieben diesen Widerruf (zwar sehr elegant geschrieben aber in schlechtem Protektoratsdeutsch) gegen eine Erteilung der deutschen Staatsbürgerschaft zur Einbürgerung ihrer Kinder:
„Betreff: V. und R. H. aus Kamenny Ujezd (Steinkirchen)
Widerruf gegen Erteilung der deutschen Staatsbürgerschaft
Kamenny Ujezd, am 05.09.1943
Anlagen: Zwei
Im Inhalt Ihres Erlasses vom 01.09. 1943 (ohne Nummer) möchte ich ausbessern, daß meinen Kindern V. und R. H. die deutsche Staatsbürgerschaft auf Basis vom 20.04.1939 I.S. 815 zugeteilt wurde. Gleichzeitig wurden zugesandt mir 2 Ausweise über die deutsche Staatsangehörigkeit vom Landespräsidenten in Böhmen - Reichsauftragsverwaltung - unter Nr. Z1.LPB Nr. 2080/43 und 2081/43 . Auf der Grundlage des Erlasses des Reichsprotektors von Böhmen und Mähren vom 18.06.1941, Nr. 30 war nicht gegeben eine Verpflichtung für meine Kinder sich zur deutschen Staatsangehörigkeit zu melden. Ich beziehe mich in meiner Auffassung zur Verleihung der deutschen Staatsangehörigkeit auf den Schutz des § 3 Absatz 1 und 2 dieser Verordnung und den Grund, weil meine Kinder aus reinen tschechischen Familien stammen und deshalb auch die deutsche Staatsangehörigkeit nicht begehren. Beide Kinder stammen aus Ehen, die vor dem 16.03.1939 geschlossen waren und die auch vor dieser Zeit geboren sind und darum auch aus diesem Grund nicht deutsche Staatsangehörige sind. Mit Blick auf dies, daß ich selbst als Protektoratsangestellter rein tschechischer Abstammung bin, aufgezogen im Sinne der allgemeiner Meinung als Tscheche und auch meine Kinder tschechisches Volk sind bitte ich den Führer und Reichskanzler vom Protektorat Böhmen und Mähren um Verständnis wegen 16.03.1939 (Reichsgesetzblatt I.S. 485) darum daß beide meiner Kinder in der Staatsangehörigkeit verharren (Protektorat = Tschechisch) zu denen ihre Eltern gehören und daß diese Staatsangehörigkeit weiterhin sichtbar bleibt. Darum bitte ich in diesem Gesuch. Zugleich präsentiere ich im Anhang die beiden Dokumente der Staatsangehörigkeit meiner Kinder V. und R. und ich ersuche Sie um eine neue Entscheidung im Amt und auch gleichzeitig den zuständigen deutschen Schulinspektor zu verständigen. Schließlich unterstreiche ich ausdrücklich, daß weder ich noch meine Ehefrau ein Gesuch und auch nirgends ein Papier unterschrieben haben zum Zweck der Aufnahme meiner Kinder in die deutsche Staatsangehörigkeit. Ich danke für die erwiesene Freundlichkeit und die gerechte Entscheidung für mein Gesuch und unterzeichne hochachtungsvoll:“
Am 8.09.1943 sandte P.H. die Bitte, was haben die Kinder derzeitig gemacht, bevor der Antrag erledigt wurde, wieweit konnten sie das Haus verlassen ohne Schule wo sie doch sonst auf die tschechische Schule gegangen sind. Es ist zu erwähnen, daß die Kinder aufgrund des erwähnten Erlasses von der tschechischen Schule ausgeschlossen waren. In standfester Hoffnung, daß Rücksicht genommen wird auf sein Gesuch dankte er im voraus für die erwiesene Freundlichkeit.
Auf die Antwort mußte er nicht lange warten.
“VIII /1.5802 Th
Herrn P.H. Steinkirchen
Betreff: Umschulung der Kinder V. und R. H.
Zu ihrem Wunsch vom 08.09.1943 teilen wir Ihnen mit, daß bezüglich Ihrer Kinder ich unter Berücksichtigung vom Erlaß des Reichsprotektors von Böhmen und Mähren vom 21.08.1943 Nr. E.I. Sch-1/220/43 diesem nicht Rechnung tragen kann und daß Sie Ihre genannten Kinder anmelden müssen zur deutschen Ministerialverwaltung der Volksschule in Borsov. Die Kinder haben die Möglichkeit den Zug von Kamenny Ujezd nach Vcelne zu nehmen. Übrigens fahren in Kamenny Ujezd viele Kinder nach Borsov auf die deutsche Schule.
Regierungsrat“
So also ist der Protest der Eltern ausgegangen. Die Ablehnung des Gesuchs war Konsequenz des Gesprächs des Nazi-Hauptmanns bei der Sitzung in Budweis zum Erwerb von Kindern für deutsche Schulen mit Gewalt unter Hilfe freier (oder wohl beliebiger) Auslegung früherer Erlasse. Gleichfalls ohne Erfolg endete auch der Versuch des J.H. aus Chlum, Nr. 1, Post Krems für ihre Kinder für eine deutsche Schule. H. schreibt dem deutschen Schulrat tschechisch:
„ Im Jahr 1942 war uns auferlegt die Kinder auf eine deutsche Schule in Krems zu senden. In der Zeit besuchte die Schule der Sohn P, der infolge der Unkenntnis der deutschen Sprache die 2. Klasse wiederholen mußte. In den Jahren 1943 und 1944 und jetzt gehen weiterhin P. und O. auf die Schule. Seit 2 Jahren haben P. und O. die deutsche Sprache nicht so weit gelernt, daß sie begreifen was sich in der Schule tut, da die Kinder bei gemeinsamen Unternehmungen nur tschechisch sprechen. Da beide Kinder tschechischer Nationalität sind, Protektoratsstaatsangehörige, bittet der Unterzeichnende, daß ihm erlaubt wird, die Kinder auf die tschechische Schule in Krems zu senden.
Chlum, den 07.09.1944, J. H. , Bauer, Haus-Nr. 1 , Post Krems“
Der deutsche Bezirksschulinspektor fragt bei der Reichsauftragsverwaltung an, Abteilung I /1e, inwieweit wirklich die genannten Kinder die deutsche Staatsangehörigkeit nicht haben. Es wurde ihm geantwortet, daß die erwähnten Kinder Protektoratsstaatsangehörige sind. Sie wurden erfaßt im Jahre 1942 auf der Grundlage ihrer deutschen Herkunft mütterlicherseits, aber der Testvorgang war bisher gesperrt. Der Inspektor fragt weiter an in der Schule in Krems, inwieweit die Kinder wirklich noch keine Fortschritte in der Schule gemacht haben. Die Vorsteherin der Schule antwortet, daß beide Kinder vor der Schulzeit nicht Deutsch konnten. Der Ältere versteht inzwischen fast alles, aber gut reden kann er noch nicht. O. ,der die zweite Klasse besucht, kann wenig sprechen aber er ist talentiert und wird Fortschritte machen. Zu diesem Fall redete der Inspektor persönlich mit „Herrn Oberlandrat“ am 26.09.1944 und setzt sich ein für eine Stilisierung der Zuschrift in dem er sagt, daß es aus prinzipiellen Gründen unmöglich ist die Wünsche [des Vaters] anzuerkennen, aber er spendet Beifall für die Fortschritte der Kinder. Manch andere Versuche des Protestes endeten für die Kinder wie auch die Eltern schlechter.
Dies ist der Fall des elfjährigen J. C. aus Cakove Nr. 7, Kreis Budweis. Mittels Zuschrift hat der Kreishauptmann in Budweis (Reichsauftragsverwaltung) am 03.09.1943 die Umschulung des Schülers J. C. auf die allgemeine deutsche Schule in Duben verfügt. Gegen 06.09. geht er schüchtern auf die tschechische Schule in Cakove [und sagt] daß er nicht auf die deutsche Schule gehen will und auch bisher nirgendwohin gegangen ist. Das Gesuch für die Bewilligung der Anwesenheit in einer tschechischen Schule war ergebnislos. Der deutsche Staatsminister entschied, daß der Schüler C. deutscher Staatsangehöriger ist. Am 06.04.1944 hat der deutsche Schulinspektor vernommen, daß der Schüler nicht auf die deutsche Schule geht und hat die NSDAP verständigt. Der Fall kam vor Gericht. Beinahe wörtlich wiederholt die Entscheidung einiger Zuschriften [des Inspektors] daß die Eltern das Kind nicht auf die deutsche Schule versetzen wollen. Dieses Hirngespinst der deutschen Justiz verdient es, in vollem Umfang zitiert zu werden.
„Deutsches Kreisgericht Böhmisch Budweis Budweis, 18.04.1944
Urteil
Das deutsche Kreisgericht in Böhmisch Budweis, in der Vormundschaftsangelegenheit des unmündigen J.C. geboren am 31.01.1932, entscheidet, daß der Vater J.C. aus Cakove, Hausnr. 7, zu der Person seines unmündigen Sohnes J.C. einen Vormund gestellt bekommt. Für die gemeinsame Vormundschaft wird ihm bestellt die Kreisleitung der NS-Volkswohlfahrt, [Abteilung] Pflege der Jugend in Budweis, die speziell die Pflege der deutschen Erziehung Unmündiger übernimmt.
Aus den Gründen:
Der unmündige J.C. hat mit Erlaß des Landespräsidenten der RAV (Reichsauftragsverwaltung) in Prag die deutsche Staatsangehörigkeit erhalten. Sein Vater J.C. hat zweimal die Aufnahme des Ausweises der deutschen Staatsangehörigkeit für seinen Sohn versagt und es trotz der Unterweisung durch die deutsche Gendarmerie nicht angenommen. Beide Eltern sind Protektoratsstaatsangehörige und [haben] revoltiert, daß ihr Sohn die deutsche Staatsangehörigkeit hat und daß die Protektoratsstaatsangehörigkeit wegen des Ehemannes nicht bestehen bleiben konnte und nicht berücksichtigt, daß die Mutter der Kinder, eine geborene L., von deutscher Abstammung ist. Der Widerruf der Eltern des Kindes gegen die Verleihung der deutschen Staatsangehörigkeit ihres Sohnes war durch Bescheid für Böhmen und Mähren vom 29.03.1944 eine unbegründete Ablehnung. Das Bewußtsein der deutschen Erziehung des minderjährigen J.C. erscheint daher durch die Eltern J.C. akut gefährdet. Ebenfalls die weitere Entwicklung, da in der Zeit in der das Kind dem deutschen Staat und Volk angehörte, es nicht in deutschem Geiste erzogen wurde. Das Eifern der Eltern eines deutschen Kindes, daß ihr Kind von der deutschen Staatsangehörigkeit befreit wird, wiegt so schwer daß man hier nicht [mehr] von elterlichen, insbesondere väterlichen Pflichten sprechen kann und daß der Vater hier in widerlicher Weise die väterliche Macht mißbraucht hat...“[ix]
Am 17. April 1944 hat der gemeinsame Vormund, Herr Seiler, bekräftigt daß der Schüler auf die deutsche Schule geht. Für die Akten ist es allerdings eine Schicksalsfrage: Überführung auf deutsches Schülerwohnheim. Der Fall C. ist nicht der einzige. Es war möglich, die Weigerung des J.N. aus Mlade die deutsche Schule zu besuchen, zu beschreiben. Auch hier ist es zu einem Prozeß gekommen, in dem man von einem allerhöchstens ekelhaft zu nennenden Mißbrauch der väterlichen Macht spricht. Es dauerte noch 22 Tage als N. in die deutsche Hauptschule in Budweis eingetreten war.
Der schärfste Vorgang jedoch war gegen die Eltern Sch. zweier Kinder aus Netrebic bei Welleschin, wo die Nazis den Widerstand der Eltern mit der Gestapo gebrochen haben. Der Kreishauptmann in Budweis, RAV, Aktenzeichen: Sachgebiet I/1e meldete am 04.08.1943 dem deutschen Schulrat, daß für die Kinder M. und J. Sch. aus Netrebic, Hausnr. 73, bei Welleschin Ausweise der deutschen Staatsangehörigkeit ausgestellt werden. Der Schulinspektor hat die Umschulung der Kinder auf die deutsche Schule zu regeln. Der deutsche Inspektor schreibt am 07.08.1943 (Nr. 5.222/B. Sch I) zurück an den Hauptmann RAV: ( 3 Anlagen, die erwähnt werden, sind leider nicht bei den Akten)
„Ich entschuldige mich, zu dem vorgenannten Fall [erklären zu müssen], daß die Eltern der Kinder M. und J. Sch. , wohnhaft in Netrebic, Hausnr. 73, gemäß Zuschrift des Zellenleiters [Definition Zellenleiter: Mitglied der Hierarchie der NSDAP in der Kette Kreisleiter, Ortsgruppenleiter, Zellenleiter, Blockwart. Zuständigkeit: Spitzeldienste] am 28.07.1943 (siehe hintere Seite des Erlasses Nr. 4627/1943 vom 12.07.1943) erklärt haben, ihre Kinder, da sie tschechischer Nationalität sind, auch weiter auf die entsprechende Schule zu schicken. Ich ersuche Sie gleichzeitig gemäß Anlagen die notwendigen Maßnahmen zu ergreifen.
Im Auftrag Oppelt“
Was dies für notwendige Mittel waren erklärt eine weitere Zuschrift des Schulrates, diesmal in der Nachricht an die Volksschule in Welleschin.
„Nr. VIII/ 1 5474 Böhmisch-Budweis, 28.08.1943
Bericht der deutschen Volksschule in Welleschin Betrifft: Staatsangehörigkeit der Kinder M. und J. Sch. Bezug zu: Telefongespräch mit dem Sachbearbeiter für Volkstumsfragen Anlagen: keine
Gemäß beiliegender Nachricht und unter Bezugnahme auf meinen Sachbearbeiter haben beide Kinder die deutsche Staatsangehörigkeit und müssen deshalb am 01.09.1943 auf die deutsche Volksschule in Welleschin gehen! Für den Vater, der die Einschulung auf die deutsche Schule nicht zulassen will, wurde schon eine Anzeige bei der Gestapo eingereicht, wo weitere Schritte gegen ihn unternommen werden. Die Leitung der Schule in Welleschin soll kund tun, inwieweit tatsächlich am 03.09. die Kinder die dortige Schule besuchen.
Im Auftrag Oppelt“
Tragikomisch ist der Fall des A. V. geboren am 24.04.1931 in Böhmisch-Velenice. Im Schuljahr 1942/1943 besuchte er die tschechische Hauptschule in Jilovice, im Wittingauer Kreis und im neuen Schuljahr war er gemeldet für die tschechische Hauptschule in Budweis. Am 31.08.1943 wurde ihm jedoch die deutsche Staatsangehörigkeit erteilt (Nr. 2140/43) mit der Anweisung auf die deutsche Hauptschule in Budweis zu gehen. Der Junge wollte nicht auf die deutsche Schule gehen und auf die tschechische Schule zu gehen fehlte ihm der Mut. Der deutsche Schulrat widmetem ihm erstaunliche Zeit. Der Rat des Kreishauptmanns, RAV, in Wittingau gibt an am 27.09.1943 dem deutschen Schulinspektor für Budweis, daß der Junge wegen einer Mandelentzündung krank war. Dieser Bescheid an das Institut mußte als Bekanntmachung durchgehen [bis] zu dem Klassenlehrer, und [dieser] mußte feststellen, daß der Charakter der Entschuldigung wirklich ungewöhnlich war. Als der Schüler jedoch entgegen den Erwartungen nicht in der Schule erschienen war, verlangt der Schulrat in einer Nachricht an den Kreishauptmann in Wittingau das Erforderliche zu regeln. Weil der Schüler aber tatsächlich wegen einer Krankheit nicht in der Schule erschienen ist, gibt der Kreishauptmann Wittingau, RAV, dem deutschen Inspektor [diese Nachricht]
„Kreishauptmann Reichsauftragsverwaltung, Wittingau. 11.11.1943 Wittingau Herrn Kreishauptmann Deutscher Schulrat in Budweis Betrifft: Umschulung A.V. aus Jilovice Anlagen: Ihre Zuschrift vom 08.10.1943, Nr. VIII/ 1-6611
Ich führe an - heute beginnend - für den oben genannten Schüler A.V. für 3 für uns bekannte [Fehl]tage für die deutsche Hauptschule in Budweis und die deutsche Gendarmerie und ich bitten für den Fall daß der Schüler V. in den darauf folgenden Tagen nicht die Schule besucht hat um eine Anzeige für jeden Tag, damit wir den Vater des genannten Schülers bestrafen für das Versäumen der Schule. In Vertretung“ (unleserliche Unterschrift, anscheinend Rumplik) So hat die deutsche Hauptschule in Böhmisch Budweis wieder einen neuen Schüler gewonnen. Dieser Schüler steht symbolisch für das deutsche Schulwesen und uns: Zur Schule führen mit der deutschen Gendarmerie.
Nachwort:
Ich versuchte die Rolle des deutschen Schulwesens für das Gebiet des Protektorates Südböhmen zu zeigen. Durch das Losreißen des Grenzgebietes[x] blieben in Südböhmen nicht allzu zahlreiche deutsche Menschen. Sie waren umgeben von rein tschechischen Gebieten. Die meisten Deutschen waren in Böhmisch Budweis, wo sie 1/6 der Einwohner stellten. Weiter lebten sie in Dörfern um die Stadt im Umkreis von ca. 5 km. Überall bildeten sie lediglich einen Bruchteil der böhmischen Bevölkerung. Außer häufig in mittleren Schulen hatten die Deutschen Klassen in allgemeinen Schulen in Budweis für Mädchen und Buben. In den umliegenden Gemeinden waren 6 einklassige und eine zweiklassige Gemeindeschule. Am 15.03.1939 waren in den genannten Schulen 700 deutsche Schüler.
Die erste Etappe des Germanisierungsplans für die Schulen war das Füllen der existierenden deutschen Schulen mit einer größeren Anzahl tschechischer Schüler zum verdeutschen und zugleich ein Netz auszubreiten [neuer] deutscher Schulen in allen größeren Dörfern im gesamten Protektoratsgebiet Südböhmens, [obwohl] hier schon ein rein tschechisches Gebiet bestand.
Wirklich ist es gelungen in den ersten Jahren 30 neue Schulen zu besetzen, auch wenn einige mit lächerlich wenig Schülern besetzt waren[xi] (die Schule in Lischau hatte kaum 5 Schüler) Nach dem Ende des Protektorats ist es gelungen für deutsche Schulen 2.333 Schüler zu gewinnen.
Da jedoch neue Schulen nicht gemäß den bestehenden Vorschriften nötig waren, hätte sie eigentlich anlegen und finanzieren der deutsche Kulturverband müssen. Nach dem Ausbruch des Krieges trat jedoch ein Wechsel ein und alle gegründeten deutschen Schulen kamen zum Prager Schulministerium.
Am 07.06.1939 erschien eine Richtlinie, die indirekt offenbarte, daß Schulen zur Germanisierung tschechischer Kinder zu dienen haben. Damit jedoch der Prozeß der Germanisierung erfolgreich war, wurde definiert, daß Kinder, die kaum Deutsch verstehen in den Gemeindeschulen maximal einen Anteil von 25 % haben dürfen und 33 % in den Bürgerschulen. Vermutlich blieb der Andrang tschechischer Kinder für deutsche Schulen aus, das Füllen der Schulen war also schwierig. Man unternehme also eine lebhafte Aktion zur rassischen Trennung und erfasse alle Familien, bei denen deutsche Vorfahren vorhanden sind. Der Widerstand der Familien gegen die Einweisung der Kinder für deutsche Schulen ist so groß, daß im Jahr 1943 es durchgesetzt wurde und der zentrale Repräsentant dem Prinzip zustimmte, einzelne Kinder mit Gewalt für deutsche Schulen zu erfassen. Man verfuhr so, daß man freien Kindern die deutsche Statsangehörigkeit gab obwohl ihre Eltern Protektoratsstaatsangehörige geblieben sind.
Die Kinder in deutschen Schulen sprechen oft tschechisch, obwohl das Schreiben des Reichsprotektors vom 1.Mai 1940 es streng untersagte. Aufgrund der amtlichen Ermittlung im Schuljahr 1941/1942 für 8 Schulen konnten dort gut Deutsch nur die Lehrer, in 4 Schulen beherrschte die deutsche Sprache außer dem Lehrer noch ein Schüler. Was die Kenntnisse der deutschen Sprache betrifft, so war die Situation am schlimmsten in Schulen in rein tschechischen Gegenden. Deshalb mußten für die genannten Schulen bis zum Ende des Protektorates Kurse in deutscher Sprache organisiert werden.
Gegen die Einordnung ihrer Kinder in deutsche Schulen waren die Eltern, besonders wenn der Vorwand ein deutscher Name einiger Eltern war. Den Kindern wurde ein Vormund gegeben, welcher die Unterweisung in das Deutschtum zu beaufsichtigen hatte. Das deutsche Kreisgericht nannte das Bestreben tschechischer Eltern ihre Kinder für die tschechische Nation großzuziehen einen „besonders ekelhaften Mißbrauch der elterlichen Macht.“ Des weiteren wurden Kinder in Schülerwohnheimen untergebracht und der Vater wurde bei der Gestapo angezeigt.
Zur gewaltsamen Entziehung der Kinder den Eltern gibt es einen interessanten (sogar aktuellen) Briefverkehr zu einer Himmlerrede am 15.10.1943, in der das Ziel mit Zwang 30 Mio. neue Deutsche zu gewinnen [verkündet wurde] und wo man erklärte:
„Verpflichtung der Deutschen den Slawen ihre Kinder auch mit Gewalt wegzunehmen… Raub ist [auch] eine Hilfe.“
Abschließend ist es möglich zu konstatieren, daß die Assimilation „Rassisch wertvoller“ Elemente in der tschechischen Nation sich als äußerst schwierig erwies. Obwohl „Die rassische Erscheinung des tschechischen Volkes wesentlich vorteilhafter ist als das Bild der sudetendeutschen Bevölkerung.“ (Bericht Dr. Walter König-Bayer am 23.10.1940 an das Hauptamt für Rassenfragen) haben die Tschechen unbändig darauf geachtet, daß ihre Kinder „tschechischer Jugend deutschen Blutes“ nicht akzeptiert wurden. Die Nazis mußten auch Abschied nehmen von der feierlichen Zeremonie der Verleihung der Reichsbürgerrechte und beschlossen, die Ausweise der deutschen Staatsangehörigkeit mit der Post zu senden wie beliebige andere unliebsame Zuschriften, z.B. die Einladung für das Arbeitsamt, denn dies bedeutete eine erzwungene Reise ins Reich. Die Nation hat in ihrer Gesamtheit eine bewundernswerte Festigkeit und Zusammenarbeit gezeigt.[xii] Materielle Vorteile wurden abgelehnt (z.B. eine bessere Versorgung)
Dem Faschistentum verblieb nur eine einzige übrige Methode: Terror.
Diejenigen welche einstmals die Tschechoslowakei zerschlugen mit der Parole Selbstbestimmung der Nation für die Fahne, besannen sich auf eine Methode welche türkische Militärs [im 16. und 17. Jahrhundert] benutzten um ihre Truppen mit frischem Blut zu verstärken: Sie nahmen Eltern fremder Völker ihre Kinder weg um sie großzuziehen als Janitscharen. [Janitscharen waren in den genannten Jahrhunderten türkische Elitetruppen]
Anlagen:
Deutscher Kulturverband, am 27.06.1939
„Deutscher Kulturverband Prag, 27.VI.1939
Prag VII. ,1452, Simackova 16
Nr. Schv. O/Kr Herrn geehrten Franz Oppelt Bezirksschulinspektor Böhmisch-Budweis
Betreff: Einrichtung Schulen
Wir danken Ihnen für die Nachricht der Kreisschulen vom 26.06. diesen Jahres Nr. 1.061 und teilen Ihnen mit, daß die Frage der Administration deutscher Schulen noch nicht soweit klargestellt ist, daß wir für die derzeitigen älteren staatlichen Stellen ein Gesuch betreffend die Errichtung des deutschen Schulwesens durchsetzen können. Mit Rücksicht auf die noch nicht völlig geklärte Situation sollte noch keine öffentliche Zusendung bezüglich der Anforderung für staatliche Schulen, anderenfalls müßte der Kulturverband neue Schulen schaffen. Unsere Zuchrift vom 22.06 diesen Jahres ist in dieser Hinsicht gegenstandslos. Die Anträge betreffend Tust, Ruden Borsov können Sie bereithalten aber noch nicht absenden. Der Deutsche Kultuverband eröffnet und wird auch weiterhin alle Schulen führen, die bis Ende des Jahres gegründet werden. Am 1. August diesen Jahres die Schulen des Deutschen Kulturverbandes und gleichfalls alle weiteren notwendigen Schulen werden eröffnet vom Deutschen Kulturverband wobei der Landesschulrat seine Hilfsbereitschaft in der Sache kundgetan hat. Soweit sind die Voraussetzungen für die Errichtung deutscher Schulen [geklärt], welche in der Besprechung aufgrund der Notwendigkeit vom deutschen Kulturverband in folgenden Orten eröffnet werden: Berlau, Dürrnfellern, Elhenitz, Forbes, Frauenberg, Krems, Lodus, Moldauthein, Nemanice, Netolitz, Schweinitz, Vierhöf und Wittingau. Was Pisku betrifft, teilen wir Ihnen mit, daß sich für die Gründung der dortigen Schule der Kreisverband der NSDAP in Strakonitz bemüht. Betreffend dieser Schule wäre es geeignet mit Bezirksleiter Dotzler, Strakonitz II/1, Burg, Kontakt aufzunehmen. Infolge der Meldung die wir dem Landesschulrat gegeben haben, bitten wir Sie, uns eine Disposition für alle zu eröffnenden Schulen auf derselben Grundlage wie seinerzeit für Schwarzbach und Borsov zu geben. Die Gründe für die Meldung der zu eröffnenden Schule in Ruden haben wir bis heute noch nicht erhalten. Fall ist vorsichtig mit Lehrerschaft [abzuklären] plötzlich etwas Ungemach weil wir leider nicht zur Disposition entsprechende Fachkräfte haben. Wir haben unterdessen Kontakt mit unserem Parteifreund Dr. Eichholz vom Reichsschulrat, Verweser im Sudetengau aufgenommen, wissen aber nicht, ob wir Erfolg haben. Wir empfehlen Ihnen daher sich in seinem Umkreis nach geeigneten Lehrkräften umzusehen. Abschließend würden wir Sie noch gerne bitten in allen Fällen wo es möglich ist, sich dafür einzusetzen, daß die Gemeinden für die Sachkosten aufkommen. Abschrift an Dr. Stegmann offen.
Heil Hitler
Vorsitzender Deutscher Kulturverband
Im Auftrag
(unterschrift unleserlich)“
Anzahl Schüler und Klassen der deutschen Schulen
Die Statistik ist jeweils vom 01.10 jeden Jahres, im Jahr 1938 vom 31. September. Hinter dem Schrägstrich steht die Anzahl der Klassen, davor die Anzahl der Schüler
|
Schule
|
Schule
|
1938
|
1939
|
1940
|
1941
|
1942
|
1943
|
1944
|
|
|
Budweis Knaben
|
115/4
|
154/6
|
192/8
|
210/8
|
180/7
|
147/5
|
165/7
|
|
|
Budweis Mädchen
|
109/3
|
183/7
|
188/8
|
207/8
|
228/8
|
219/8
|
193/7
|
|
|
Wittingau allg. Schule
|
|
|
|
|
26/1
|
63/2
|
84/3
|
|
Obecne skola (Gemeindeschulen)
|
Budweis Knaben
|
177/5
|
193/6
|
191/6
|
224/8
|
216/8
|
192/7
|
149/6
|
|
|
Budweis Mädchen
|
|
195/6
|
199/7
|
220/8
|
208/9
|
202/7
|
245/8
|
|
|
Budweis Schule 3. Gemeinde
|
70/5
|
|
59/3
|
71/3
|
169/8
|
176/8
|
212/8
|
|
|
alte Schulen
|
|
|
|
|
|
|
|
|
|
Gutwasser
|
18/1
|
30/1
|
33/1
|
35/1
|
52/2
|
60/2
|
60/2
|
|
|
Hackelhöf
|
6/1
|
15/1
|
19/1
|
18/1
|
18/1
|
21/1
|
18/1
|
|
|
Hodowitz
|
31/1
|
51/2
|
61/3
|
58/3
|
60/2
|
60/2
|
65/3
|
|
|
Hummeln
|
31/1
|
48/2
|
48/2
|
46/2
|
50/2
|
51/2
|
52/2
|
|
|
Strodenitz
|
47/2
|
57/3
|
55/2
|
50/2
|
55/2
|
82/3
|
70/3
|
|
|
Rudolfstadt
|
32/1
|
57/2
|
53/2
|
69/2
|
60/2
|
67/2
|
69/3
|
|
|
Schindelhöf
|
25/1
|
59/2
|
51/2
|
51/2
|
56/2
|
50/2
|
48/2
|
|
|
neue Schulen
|
|
|
|
|
|
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|
|
Borovany
|
Forbes
|
|
|
34/2
|
31/2
|
22/1
|
28/1
|
23/1
|
|
Borsov
|
|
|
|
19/1
|
21/2
|
17/1
|
21/1
|
16/1
|
|
Brloh
|
Berlau
|
|
|
77/3
|
71/5
|
69/3
|
77/3
|
78/3
|
|
Ceske Vrbne
|
Böhmisch Fellern
|
|
|
9/1
|
12/1
|
16/1
|
21/1
|
20/1
|
|
Ctyri Dvory
|
Vierhöf
|
|
|
44/2
|
42/2
|
64/3
|
60/2
|
48/2
|
|
Dubne
|
Duben
|
|
|
12/1
|
11/1
|
9/1
|
57/2
|
52/2
|
|
Hluboka n. Vlt.
|
Frauenberg
|
|
|
28/1
|
33/2
|
33/1
|
26/1
|
24/1
|
|
Holubov
|
Hollubau
|
|
|
|
|
|
33/1
|
25/1
|
|
Jilovice
|
|
|
|
16/1
|
24/1
|
16/1
|
19/1
|
19/1
|
|
Knezske Dvory
|
Pfaffenhöf
|
|
|
18/1
|
19/1
|
22/1
|
20/1
|
18/1
|
|
Kremze
|
Krems
|
|
|
15/1
|
28/1
|
79/1
|
61/2
|
50/2
|
|
Ledenice
|
|
|
|
|
22/1
|
28/1
|
24/1
|
23/1
|
|
Lhenice
|
Elhenitz
|
|
|
12/1
|
19/1
|
28/1
|
36/1
|
40/1
|
|
Lisov
|
Lischau
|
|
|
9/1
|
19/1
|
17/1
|
24/1
|
21/1
|
|
Mlade
|
Lodus
|
|
13/1
|
11/1
|
15/1
|
27/1
|
32/1
|
30/1
|
|
Nebahovy
|
Nebahau
|
|
|
22/1
|
25/1
|
21/1
|
21/1
|
20/1
|
|
Netolice
|
Netolitz
|
|
|
54/2
|
56/2
|
63/2
|
63/2
|
79/3
|
|
Nova Ves
|
Neudorf
|
|
|
|
|
|
16/1
|
18/1
|
|
Olesnice
|
Ellexnitz
|
|
|
|
13/1
|
11/1
|
10/1
|
11/1
|
|
Rajov
|
Rajau
|
|
|
15/1
|
18/1
|
23/1
|
32/1
|
30/1
|
|
Roudne
|
Ruden
|
|
|
12/1
|
16/1
|
13/1
|
19/1
|
19/1
|
|
Sobenov
|
|
|
|
|
|
|
14/1
|
12/1
|
|
Suchdol n. Luz.
|
Suchental
|
|
|
44/2
|
46/4
|
61/4
|
60/2
|
60/2
|
|
Trohve Sviny
|
Schweinitz
|
|
|
34/1
|
34/2
|
38/2
|
35/2
|
39/2
|
|
Trebon
|
Wittingau
|
|
|
27/1
|
30/1
|
46/2
|
42/2
|
43/2
|
|
Tust
|
Schwarzbach
|
|
|
33/2
|
23/1
|
|
|
|
|
Tyn. n. Vlt.
|
Moldauthein
|
|
|
13/1
|
16/1
|
22/1
|
21/1
|
24/1
|
|
Velesin
|
Welleschin
|
|
|
20/1
|
27/1
|
28/1
|
28/1
|
34/2
|
|
Veseli n. Luz.
|
Wesseli
|
|
|
17/1
|
19/1
|
13/1
|
25/1
|
27/1
|
|
Summe
|
|
661
|
1055
|
1.744
|
1.949
|
2.164
|
2.315
|
2.333
|
|
Schule
|
Schule
|
1
|
2
|
*
|
3
|
4
|
5
|
6
|
7
|
|
Stadt Haupt
|
|
|
|
|
|
|
|
|
|
|
|
Budweis Knaben
|
210
|
4
|
2
|
1,90
|
1
|
204
|
39
|
19,12
|
|
|
Budweis Mädchen
|
207
|
14
|
3
|
6,75
|
2
|
193
|
42
|
21,75
|
|
Obecna chlapeka
|
Allg. Knaben-schule
|
196
|
10
|
|
5,10
|
28
|
186
|
73
|
39,00
|
|
Obecna divci
|
Allg. Mädchen-schule
|
213
|
12
|
2
|
5,63
|
29
|
201
|
63
|
31,20
|
|
cvicna skola
|
|
68
|
|
|
|
3
|
68
|
11
|
16,17
|
|
|
Budweis
|
|
|
|
|
|
|
|
|
|
|
alte Schulen
|
|
|
|
|
|
|
|
|
|
|
Gutwasser
|
36
|
3
|
1
|
8,33
|
5
|
33
|
12
|
36,36
|
|
|
Hackelhöf
|
18
|
|
|
|
|
18
|
9
|
50,00
|
|
|
Hodowitz
|
62
|
8
|
1
|
12,90
|
3
|
54
|
20
|
37,00
|
|
|
Hummeln
|
46
|
1
|
1
|
2,17
|
|
45
|
18
|
40,00
|
|
|
Strodenitz
|
52
|
2
|
2
|
1,94
|
1
|
50
|
17
|
34,00
|
|
|
Rudolfstadt
|
65
|
1
|
|
1,50
|
1
|
64
|
28
|
43,00
|
|
|
Schindelhöf
|
51
|
3
|
|
5,88
|
4
|
48
|
14
|
29,16
|
|
|
neue Schulen
|
|
|
|
|
|
|
|
|
|
Borovany
|
Forbes
|
31
|
|
|
|
15
|
31
|
31
|
100,00
|
|
Borsov
|
|
23
|
2
|
|
8,69
|
1
|
21
|
16
|
76,19
|
|
Brloh
|
Berlau
|
76
|
2
|
|
2,63
|
1
|
74
|
10
|
13,51
|
|
Ceske Vrbne
|
Böhmisch Fellern
|
12
|
4
|
3
|
33,00
|
2
|
8
|
8
|
100,00
|
|
Ctyri Dvory
|
Vierhöf
|
42
|
6
|
|
14,29
|
2
|
36
|
30
|
83,30
|
|
Dubne
|
Duben
|
11
|
|
|
|
|
11
|
11
|
100,00
|
|
Hluboka n. Vlt.
|
Frauenberg
|
31
|
|
|
|
2
|
29
|
29
|
100,00
|
|
Vodnany
|
|
66
|
3
|
|
4,00
|
16
|
50
|
41
|
82,00
|
|
Jilovice
|
|
24
|
|
|
|
24
|
15
|
62,5
|
|
|
Knezske Dvory
|
Pfaffenhöf
|
21
|
1
|
|
5,00
|
6
|
20
|
20
|
100,00
|
|
Kremze
|
Krems
|
25
|
|
|
|
10
|
25
|
24
|
96,00
|
|
Ledenice
|
|
19
|
|
|
|
18
|
19
|
19
|
100,00
|
|
Lhenice
|
Elhenitz
|
19
|
|
|
|
9
|
19
|
12
|
63,00
|
|
Lisov
|
Lischau
|
19
|
1
|
|
5,26
|
10
|
18
|
14
|
77,77
|
|
Mlade
|
Lodus
|
15
|
|
|
|
3
|
15
|
6
|
40,00
|
|
Nebahovy
|
Nebahau
|
24
|
|
|
|
10
|
24
|
20
|
84,00
|
|
Netolice
|
Netolitz
|
53
|
|
|
|
7
|
53
|
52
|
98,10
|
|
Nova Ves
|
Neudorf
|
|
|
|
|
|
|
|
|
|
Olesnice
|
Ellexnitz
|
12
|
5
|
3
|
41,70
|
|
7
|
6
|
85,70
|
|
Rajov
|
Rajau
|
19
|
1
|
|
5,30
|
2
|
17
|
16
|
94,10
|
|
Roudne
|
Ruden
|
16
|
1
|
|
6,25
|
|
15
|
12
|
80,00
|
|
Suchdol n. Luz.
|
Suchental
|
47
|
5
|
|
10,64
|
4
|
42
|
11
|
26,19
|
|
Trohve Sviny
|
Schweinitz
|
31
|
2
|
|
6,40
|
13
|
29
|
24
|
82,80
|
|
Trebon
|
Wittingau
|
27
|
3
|
|
11,10
|
3
|
24
|
24
|
100,00
|
|
Tust
|
Schwarzbach
|
23
|
|
|
|
|
23
|
23
|
100,00
|
|
Tyn. n. Vlt.
|
Moldauthein
|
15
|
|
|
|
11
|
15
|
13
|
86,70
|
|
Velesin
|
Welleschin
|
27
|
|
|
|
15
|
27
|
26
|
96,00
|
|
Veseli n. Luz.
|
Wesseli
|
18
|
|
|
|
2
|
16
|
16
|
100,00
|
|
Summe
|
|
1.970
|
94
|
18
|
|
239
|
1.856
|
875
|
47,14
|
Erläuterungen zu den Ziffern der Statistik:
1 = Anzahl Schüler am 01.09.1941 2 = Protektoratsangehörige, die kein Gesuch zur Erteilung der dt. Staatsangehörigkeit eingereicht haben. * = dies sind Kinder deutscher Muttersprache, deren Eltern sich nicht als Deutsche gemeldet haben 3 = Prozentsatz Protektoratsstaatsangehörige von Spalte 1 4 = Anzahl Kinder, die damals noch nicht die dt. Staatsangehörigkeit haben, aber haben eingereicht Gesuch dafür 5 = Kinder dt. Staatsangehörigkeit ohne Rücksicht auf ihre Sprache oder Sprache der Eltern. Hierzu Einrechnung durch Lehrer aufgrund ihrer Gesinnung der Kinder, die sind deutsch, obwohl von ihnen Gesuch noch nicht ist entschieden. (mit Ausnahme Kinder in deutscher Muttersprache erwähnt unter Nr. 2) 6 = Anzahl Kinder, die Deutsch nur mangelhaft beherrschen 7 = Prozentsatz Kinder die Deutsch nur mangelhaft beherrschen( Beziehung Kinder in Punkt 6 zu Punkt 5)
Endnoten des Übersetzers:
[i] Hier merkt man deutlich das Entstehungsjahr des Aufsatzes: 1964! Es ist immer gut zu wissen, daß es eine Gruppe von Personen gibt, die an allem Schuld ist. Das erspart das Nachdenken über eigene Versäumnisse. [ii] Ob sich hier die typische Einteilung in gesellschaftliche Klassen des Kommunismus zeigt? Die Art und Weise der Sortierung ist jedenfalls typisch: Zuerst der Arbeiter, dann der Bauer, es folgt die weniger wertvolle Gesellschaftsschicht des Angestellten und danach kommt der allseits verdächtige Grundbesitzer. [iii] Es gibt dazu den sehr interessanten Begriff der „ethnischen Indifferenz“ den ich unter anderem in einem Aufsatz des Herrn Petr Lozoviuk gelesen habe. Leider konnte ich noch nichts näheres darüber erfahren. Es geht darum, daß der Anstieg der Tschechischen Bewohner sich durch diese ethnische Indifferenz (= man kann Einwohner nicht exakt einer Volksgruppe zuordnen) erklären ließe. Demnach hätten die deutschen Einwohner bezüglich ihrer Zugehörigkeit zu einer Volksgruppe keinen gefestigten Standpunkt gehabt, bzw. sich nicht absichtlich abgegrenzt. Für Hackelhöf zum Beispiel gibt es dafür durchaus Belege. Außer im Elternhaus sprachen die deutschen Kinder fast nur tschechisch und die Anzahl der Mischehen verdeutlicht auch, daß für die Wahl des Ehepartners die ethnische Zugehörigkeit keinerlei Maßstab war. Man war ethnisch nicht eindeutig zuordenbar. [iv] Notiz: Nimmt man eine Statistik aus dem Jahr 1880 sieht das ganze schon wieder ganz anders aus. Was lernen wir daraus? Es bringt nichts mit Statistiken zu jonglieren und nur die zu nennen, welche die eigene Ansicht unterstützen. Vierhöf ist ein Ort, der sich allein von 1880 bis 1900 massiv verändert hat. Einst ein kleines Dorf, wird es plötzlich zu einer Stadt mit knapp 2.000 Einwohnern. Der Zuzug tschechischer Einwohner könnte z.B. ein Gefühl der Überfremdung ausgelöst haben, das zusammen mit dem Trauma des Zusammenbruchs der Donaumonarchie viele Vorurteile gegen den neuen Staat ausgelöst haben könnte. Aus Sicht der Nazis waren die Zustände der mehrheitlich deutschen Besiedlung gerade 50 Jahre her. Ein „Zurückdrehen der Uhr“ erschien machbar. Dies wäre ein Motiv für verschiedene Handlungen. Zur Klarstellung: Ein Motiv entschuldigt keine Taten, es erklärt sie nur! [v] Ulrich Greifelt, SS-Obergruppenführer, Leiter des Stabshauptamtes des Reichskommissars für die Festigung des deutschen Volkstums. Hauptaufgabe des Amtes war die Regermanisierung deutscher Volksgruppen, die „trotz deutscher Abstammung im fremdvölkischen Umfeld aufgegangen“ seien. Das Amt befaßte sich auch mit der Eindeutschung als rassisch wertvoll befundener slawischer Volksteile. Ulrich Greifelt wurde 1946 in Nürnberg zu lebenslanger Haft verurteilt und verstarb in Haft. [vi] RuS= Rasse und Siedlungsamt [vii] Als Deutscher bekam man z.B. bessere Lebensmittelkarten und hatte natürlich auch sonst im Alltag viele Vorteile materieller Art. [viii] Was für ein Schwachsinn, Herr Inspektor Oppelt! [ix] Es ist schade, daß der Name des Richters nicht im Aufsatz genannt wurde. Auch hier gilt der alte Spruch: Niemand lebt umsonst, er kann immer noch als schlechtes Beispiel dienen! [x] Abkommen von München 1938. Gebiete mit mehrheitlich deutscher Bevölkerung kamen zum Reich. Dies waren für den Bereich Südböhmen die Gebiete zur österreichischen Grenze. Damals war Österreich Teil des deutschen Reiches.
[xi] Hier muß ich anmerken, daß man diesen Satz auch in den 1920er Jahren hätte schreiben können mit dem Vermerk: “Sie gründeten in rein deutschen Gebieten neue Schulen auch wenn sie nur mit lächerlich wenig Schülern besetzt waren.“ Beide Volksgruppen waren Meister darin, das jeweils schlechte Vorbild des anderen zu kopieren und es noch zu steigern. Die Nazis und ihre willfährigen Helfer waren natürlich Obermeister der Perversion! [xii] Auch auf die Gefahr hin, gesteinigt zu werden, möchte ich noch folgendes bemerken: Um von diesen konkreten Einzelaktionen teilweise sehr mutiger Eltern auf die Gesamtheit des Volkes oder wenigstens der südböhmischen Bevölkerung schließen zu können, fehlen in dem Aufsatz die Daten. Es fehlt insbesondere eine Untersuchung, ob der Widerstand der Eltern ein größeres Ausmaß angenommen hat, oder die vorgestellte Auswahl von Protesten eher Einzelfälle sind. Konkret hätte ich diese Frage: Fühlte sich der Schulinspektor Oppelt in seinen Aktionen durch die Eltern stark behindert oder waren es nur wenige Proteste, die im Rahmen der täglichen Arbeit im Büro ohne Mühe bearbeitet werden konnten? Auch hat es wohl grundsätzlich wenig Sinn, die Eltern zwangsweise eingedeutscher Kinder zu einer feierlichen Veranstaltung einzuladen. Sollten die Nazis sich etwa an grimmigen Gesichtern erfreuen? Herr Bosak hätte bedenken müssen, daß die Nazis so dumm nicht waren. Ebenso wäre eine Statistik der Elternproteste im Verhältnis zu den zwangsweise in deutsche Schulen eingewiesenen tschechischen Kindern interessant. (z.B. pro Dorf) Erst nach all diesen Zahlen hätte man eine derartige Aussage über den Zusammenhalt des Volkes und des großen Widerstandes treffen können. Die Zahlen des Herrn Bosak belegen nur, daß es Widerstand gab und daß dieser natürlich berechtigt war. Das Ausmaß läßt sich dagegen nicht beurteilen!
|