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Allgemeines zur ökonomischen Situation:
Über Jahrhunderte war die Haupteinnahmequelle der Dorfbewohner die Landwirtschaft.
Im Jahre 1704 wurde als Gut der Stadt Budweis der Ort Hackelhöf mit 10 Grundbesitzern und einem Ertrag von 312 Strich Korn genannt. Betrachten wir diese Angabe etwas genauer: 1 böhmischer Strich entspricht ca. 93,58 Liter Korn. Gleichzeitig war 1 Strich die Getreidemenge, die ausgesät werden mußte um ein Feld der Größe von 1,5 Metzen zu bestellen. Eine Metze entspricht 0,191821 Hektar. 312 Strich Korn entsprechen also 29.197 Liter Korn und wären damals ausreichend gewesen um ca. 90 Hektar Land zu bestellen. Leider ist unbekannt ob die 312 Strich Korn als brutto oder netto zu zählen sind, da für die Ernährung der Bewohner natürlich Korn zurückgehalten werden mußte.
Ökonomische Situation eines Bauern aus Hackelhöf mit 18 Hektar Land und einem kleinen Viehbestand:
Die Einnahmen sind brutto in der Währung tschechische Kronen, KC.
1933: 29.747 KC 1934: 28.586 KC 1935: 26.573 KC 1936: 37.782 KC 1937: 39.024 KC 1938: 27.061 KC 1939: 32.754 KC 1940: 57.332 KC 1941: 56.043 KC
Deutlich zeigt sich ein Einnahmensprung zwischen 1939 und 1940. Dies war Anlaß zu weiteren Untersuchungen.
Preis für den Verkauf einer Kuh mit Kalb:
1933 wurden reale Verkaufspreise zwischen 1850 KC und 2100 KC erzielt. 1940 betrug der Preis 4350 KC. Dies war aber nicht die alleinige Ursache für die Einnahmensteigerung. Während der Bauer für Milch (Menge leider unbekannt) 1933 etwa 6369 KC verdiente, waren es 1940 schon 12622 KC! Die inflationäre Entwicklung der Lebensmittelpreise zeigt folgende Statistik für Milch:
Erzielte Erlöse für eine unbekannte, aber im zeitlichen Verlauf relativ konstante ? Menge Milch. (Im Jahre 1945 hatte der Bauer 9 Kühe): 1935: 5508 KC 1936: 5744 KC 1937: 6255 KC 1938: 4933 KC 1939: 7633 KC 1940: 12622 KC 1944: 16639 KC
Gegenüberstellung der erzielten Preise zwischen 1939 und 1940:
1939 1940
Eier 594 KC 1714 KC Milch 7633 KC 12622 KC 1 Kalb 238 KC 540 KC
Der Einnahmesprung war also inflationär und vermutlich durch den Kriegsmangel verursacht. Man kann nicht davon ausgehen, daß der Bauer wirklich reicher wurde. Wie bei jeder inflationären Geldentwertung steht der umlaufenden Geldmenge keine adäquate Gütermenge gegenüber. Da wohl alle Bauern aus Hackelhöf Kühe besessen haben, trifft der oben genannte Einnahmesprung auch auf alle zu.
Nachtrag Mai 2005: Das Studium des Wochenblattes “Der Dorfbote” (Herausgeber Moldavia Verlag Budweis) brachte noch folgende Informationen: Es finden sich deutliche Hinweise, daß die Bauern die Milchproduktion drastisch zu steigern hatten. Milch wurde als wichtig angesehen u.a. zur Käseproduktion. Verschiedene Prämien lockten die Bauern zu erhöhter Produktion. Im Protektorat galt weiterhin die Krone als Währung. In 1939 wurden für den Umtausch alter tschechischer Schuldverschreibungen in deutsche Schuldverschreibungen ein Umtauschkurs von 100 Kronen = 12 Reichsmark festgesetzt. Am 22.07.1939 findet sich der Hinweis, daß 1 Krone mit 0,10 Reichsmark (RM) bewertet wurde.
Die Eierpreise waren - wie fast alle Preise - staatlich festgesetzt. In 1939 wurden für 1 kg Eier zwischen 1,54 und 1,86 RM je kg erzielt.
Die Weizenpreise waren 1939 zwischen 27,00 und 28,60 RM je 100 kg. Für Roggen konnte man zwischen 25,00 und 26,60 RM erlösen.
Zum Vergleich die festgelegten Stundenlöhne 1939: Tagelöhner im Rübenbau: 1,90 RM Tagelöhner im Futtermittelanbau: 1,45 RM Tagelöhner im Getreideanbau: 1,70 RM
Das Jahresabonnement der Zeitschrift “Der Dorfbote” kostete 1942: 74 Kronen oder 8,12 RM. Im Schnitt mußte man also etwa 4 Stunden als Tagelöhner arbeiten um sich dies leisten zu können. Der KdF-Volkswagen sollte einmal 990 Reichsmark pro Person kosten.
Menge der angebauten Getreideprodukte des Bauern:
1933 wurden ausgedroschen: Weizen 45 hl (hl = Hektoliter) Korn 140 hl Hafer 90 hl Kleesamen 30 Kilo
1936 wurden ausgedroschen: Korn 75 hl Weizen 40 hl Hafer 65 hl Klee 130 kg
1944 wurden ausgedroschen: Weizen 30 hl Korn 70 hl Klee 250 kg Hafer 100 hl
Es zeigt sich eine Produktionsverschiebung vom Korn hin zu Klee und Hafer. Die Gründe sind vorerst unbekannt. Nachtrag zum Begriff “Korn”: In Österreich sagt man zu Roggen üblicherweise Korn. Diese Bezeichnung hat sich bei den ehemals österreichisch-habsburgischen Bewohnern von Hackelhöf gehalten.
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