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Der Aufsatz Jiři Petraš „Das Ende des Zusammenlebens von Tschechen und Deutschen in Böhmisch Budweis“; tschechischer Titel: „Konec soužiti čechu a němcu v českych budějovicich“
Ein Leserkommentar
Der Aufsatz selbst liegt nach meinem Kenntnisstand nur in tschechischer Sprache vor und ist u.a. über die Sammlungen des Collegium Carolinum, München, erhältlich. Da meine Kenntnisse dieser Sprache völlig unzureichend sind, konnte ich nur durch die freiwillige Hilfe ehemaliger Budweiser/Hackelhöfer Bürger einen Einblick in den Inhalt erhalten.
Elemente des Werkes finden sich in dem in deutscher Sprache erhältlichen Aufsatz „Transport über die Grenze“ von Prof. František Svatek. Herr Svatek nahm jedoch starke Kürzungen vor, die das Verständnis einiger Aussagen des Originals mindern.
Der Aufsatz gliedert sich in die Vorgeschichte der Vertreibung (bzw. des Transfers nach offizieller tschechischer Bezeichnung) , der Phase bis zur Potsdamer Konferenz und der Zeit danach. Der Autor schildert aufgrund von umfangreichen Studien in Archiven sehr sachlich die Geschehnisse in Budweis und legt seinem Werk auch viele Statistiken bei. Die Statistiken heben die Aussagekraft des Werkes außerordentlich und erleichtern dem Leser den Zugriff auf die damaligen Geschehnisse. Der Aufsatz unterscheidet sich deshalb sehr angenehm vom Buch des Professors Jeremy King („Budweisers into Czechs and Germans“) der in seinem Werk mehr Wert auf verbale Erläuterungen legt. Verschiedene Zahlen sind dort nur im Text verstreut oder müssen mühsam im Anhang gesucht werden. Herr Petraš bezieht Aussagen früherer Bücher über Budweis in seine Analysen mit ein, so u.a. das Buch von A. Sedlmeyer „Budweiser und Stritschitzer Sprachinsel“. Seine Meinung zu dem Buch teilt er ebenfalls mit, was ich hier nicht weiter kommentieren will, denn über Geschmäcker läßt sich unendlich streiten. De gustibus non est disputandam! Mit Recht weist Herr Petraš aber auf die schlechten Quellenangaben des Buches hin und der ohne Zweifel vorhandenen Lücken in der Darstellung der Budweiser Geschichte. Er berücksichtigt aber zentrale Elemente des Buches, wie die Hinweise auf die damals zahlreichen Selbstmorde (teilweise mit dem Vorwurf, sie seien nur vertuschte Morde gewesen) und die Geschehnisse bezüglich der Erschießungen auf dem Friedhof zur Heiligen Ottilie. Das Hauptproblem für einen Historiker ist immer die Zuverlässigkeit von Quellen. Soweit die Quellen Hinweise auf Morde gaben, hat Herr Petraš dies dargestellt und andere Todesfälle als Selbstmorde in seinen Statistiken ausgewiesen. Mehr Recherche ist soviele Jahrzehnte nach Kriegsende nicht möglich. Herr Petraš geht leider nicht auf die Details der Einteilung in Tschechen und Deutsche ein. In einem Gebiet wie Budweis mit vielen Mischehen war dies nicht unbedingt einfach. Auch fehlen Hinweise auf die Anzahl der Wechsler von Nationalität Tschechisch auf Nationalität Deutsch ab 1939 und umgekehrt ab 1945. Hier helfen einige Passagen im Buch von Professor Jeremy King weiter. Es ist bedauerlich, daß zu diesem Thema noch keine wissenschaftliche Untersuchung existiert. In der Zusammenfassung kann man sagen, daß der Aufsatz insgesamt Glaubwürdigkeit vermittelt. Der Autor verweist auf die vorhandenen Unterlagen und hat diese objektiv ausgewertet. Daß der Aufsatz in erster Linie zum Lesen für andere Historiker bestimmt war und nur in der Landessprache veröffentlicht wurde, unterstreicht diesen Eindruck. Einige unnötige Formulierungen über bisher veröffentlichte Werke zur Vertreibung/Odsun trüben das Bild. Offensichtlich ist der Autor nicht mit den Ergebnissen in diesen Büchern (wahrscheinlich meint er auch das Buch seines Kollegen Tomaš Stanek) einverstanden. Nun, ein Historiker schreibt für gewöhnlich über das was wirklich geschehen ist, nicht darüber wie es seiner Ansicht nach hätte gewesen sein sollen. Hier hat Herr Petraš sich noch nicht ganz vom Denken in Schwarz-Weiß gelöst. Eine Abrundung wären nach meiner Ansicht Interviews mit Zeitzeugen gewesen, da dies dem Leser einen unmittelbareren Bezug zu den damaligen Geschehnissen eröffnet hätte. Aber das soll den Wert dieses Aufsatzes nicht schmälern.
The essay “The end of together living of Czechs and Germans in Budweis” by Jiři Petraš. Original czech title: „Konec soužiti čechu a němcu v českych budějovicich“
A readers comment
The essay is only written in Czech and for example available from the Collegium Carolinum in Munich. I do not speak the language but I was able to receive help by former residents of Budweis and Hackelhöf. The essay is about the phase of the time after the war. The wild expulsions directly after the war, the preparations for a legal way and the carrying out. Mr. Petraš uses a lot of statistics. This helps the reader in understanding the essay. The usage of statistics makes it better readable than parts of the book of Professor King, who - unfortunately - does not often use figures. The essay does not mention how the people were divided into Czechs and Germans (which was in an area like Budweis with a lot of mixed marriages not an easy task). That is a pitty. So far - except of parts of the book of Professor King, who unfortunately didn´t mention the 20th century as good as the 19th century - I do not know a scientific research mentioning this difficult and in practice sometimes unfairly process. The essay at all is a good research and I can fully recommend it. Perhaps one will be able to translate it into English. I´m sorry but I can´t do it.
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